Die Krise der Labour-Regierung in Großbritannien verschärft sich weiter. Gesundheitsminister Wes Streeting ist am Donnerstag zurückgetreten und hat Premierminister Keir Starmer offen herausgefordert. Der 43-Jährige erklärte, er habe das Vertrauen in Starmers Führung verloren. Eine sofortige Kandidatur um den Parteivorsitz kündigte Streeting jedoch nicht an.
Rücktritt nach Wahldebakel
Der Schritt erfolgte genau eine Woche nach den verheerenden Verlusten von Labour bei den Kommunal- und Regionalwahlen. Vor allem die rechtspopulistische Reform UK von Nigel Farage konnte zulegen. Streeting schrieb auf der Plattform X, es wäre „unehrenhaft und prinzipienlos“, im Amt zu bleiben. Er betonte, dass Starmer die Partei nicht in die nächste Parlamentswahl führen werde.
Herausforderung für Starmer
Um Starmer abzulösen, benötigt Streeting die Unterstützung von 81 der über 400 Labour-Abgeordneten. Eine entsprechende Nominierung würde eine Urabstimmung auslösen. Starmer stünde automatisch zur Wahl. Der Premier hatte zuvor betont, er habe „vollstes Vertrauen“ in Streeting – eine Formulierung, die in britischen Medien als Zeichen für das zerrüttete Verhältnis gewertet wird.
Weitere mögliche Kandidaten
Als Favorit für eine Führungsrolle gilt Andy Burnham, der Bürgermeister von Manchester. Allerdings sitzt er nicht im Parlament, was für das Amt des Premierministers erforderlich ist. Überraschend brachte sich auch Ex-Vizepremierministerin Angela Rayner ins Spiel. Die 46-Jährige war im September wegen einer Steueraffäre zurückgetreten, beteuert aber, die Angelegenheit sei geklärt.
Ob sich weitere Minister dem Rücktritt anschließen, ist unklar. Innenministerin Shabana Mahmood und Energieminister Ed Miliband gelten als Kritiker Starmers. Die nächste reguläre Wahl steht erst 2029 an, doch die Partei steht unter enormem Druck, die Krise zu bewältigen.



