München – Die Bundeswehr soll zur stärksten konventionellen Armee Europas ausgebaut werden, mit 460.000 kampfbereiten Soldaten. Dies hat Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) vergangene Woche in seiner neuen Militärstrategie klar gemacht. Er setzt dabei auf einen freiwilligen Wehrdienst. Doch dieser Ansatz stößt auf heftige Kritik von CSU-Chef Markus Söder. Der bayerische Ministerpräsident fordert in einem Interview mit BILD die schnelle Einführung der Wehrpflicht.
Söder: „Freiwilligkeit reicht nicht“
„Für uns ist völlig klar: Wenn die Bundeswehr die größte Armee in Europa werden soll, führt an der Wehrpflicht kein Weg vorbei“, sagte Söder zu BILD. „Nur mit Freiwilligkeit werden wir die nötige Sicherheit unseres Landes nicht erreichen. Und Sicherheit ist die Voraussetzung für Freiheit. Deshalb muss die Wehrpflicht möglichst schnell kommen – und es braucht zudem ein Konzept mit einer Vollausstattung für Reservisten.“
Pistorius plant, die Reserve von aktuell 70.000 Soldaten bis 2035 auf mindestens 200.000 aufzustocken. Doch wie diese 130.000 zusätzlichen Reservisten gewonnen werden sollen, ist nach Ansicht von Experten unklar.
Kritik an Pistorius' Reservisten-Plan
Patrick Sensburg, Sicherheitsexperte und Oberst der Reserve, übt in BILD scharfe Kritik am Vorgehen des Ministers: „Die Bundeswehr hat ein riesiges Reservoir an ehemaligen Zeitsoldaten, die sie in den Reservistendienst bringen könnte. Viele haben Erfahrungen mit den Auslandseinsätzen der vergangenen Jahre, manche sogar mehrmals. Dass die Bundeswehr diese Gruppe immer noch nicht kontaktiert und um sie wirbt, ist nicht verständlich.“
Unklar sei bei der aktuellen Strategie der Reserve auch, wie bei den 200.000 Reservisten ein Ausbildungsniveau erreicht und gehalten werden kann, das den NATO-Anforderungen gerecht wird. Sensburg ergänzt: „Unklar auch, welche Reservisten daneben den Heimatschutz, den Host-Nation-Support und den Feldersatz bilden sollen und wer sie betreut.“
Die Debatte um die Wehrpflicht wird in den kommenden Wochen wohl an Intensität zunehmen, da die Bundesregierung unter Druck steht, die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands zu stärken. Während Pistorius auf Freiwilligkeit setzt, pocht die CSU auf eine allgemeine Dienstpflicht, um die Personalziele zu erreichen.



