Ein Zwischenruf von Peter Tiede: Die SPD hat Jens Spahn den Job gerettet. Triumphiert am Ende doch wieder: Weiterhin Fraktionschef Jens Spahn (45, CDU) heute mit Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz (70, vor Spahn sitzend) in der Fraktionssitzung.
Eines muss man Jens Spahn lassen: Er ist ein politischer Überlebenskünstler wie kaum einer vor ihm. Egal was passiert – einer überlebt es: ER. Maskendeals, Corona-Pleiten, Corona-Spendendinner, schräge Villen-Finanzierung, vergeigte Richterwahl, Putschpläne der eigenen Leute, Zuckersteuer trotz Parteitags-Nein … Nun also wiedergewählt als Chef der Unions-Fraktion. Mit 86 Prozent. Keine 9 vorn – aber Abstürze sehen anders aus. Denkzettel auch.
Das Ergebnis, daraus machen sie vor allem in der CDU kaum einen Hehl, hat er gewaltig der SPD zu verdanken. Klar: Er kann Machtspiele, Intrigen, Taktieren, sich einarbeiten und sich oben verdammt nützlich machen. Vieles kann man ihm absprechen – aber Fleiß und Wettkampfhärte nicht. Man braucht ihn. Das rettete ihn schon oft. Doch bei den eigenen Granden hatte sich zum Jahresende der Daumen über Spahn eigentlich gesenkt. Vertrauen tun ihm am Ende eben nicht viele. Wenn stimmt, was erzählt wird, dann auch nicht im Kanzleramt. Doch nun knallt es so mächtig und fundamental zwischen Union und SPD, dass man Spahn-Ärger nicht auch noch verkraftet. Die Blockade-Genossen – ein Mega-Vorteil für Spahn. Spahn kann das Wie erst mal schnuppe sein: Seine Macht scheint bis zum Regierungsende sicher. Aber auch das ist sicher: Liebling der Deutschen wird der Mann, dem man Kanzler-Ambitionen nachsagt, nicht mehr. Gerade hat er den Kanzler verdrängt – vom letzten Platz im BILD-Politikerranking. Da kann ihm selbst die SPD nicht helfen …
Hintergrund: Spahns umstrittene Karriere
Jens Spahn, langjähriger Gesundheitsminister und nun Fraktionschef, ist bekannt für seine Fähigkeit, politische Stürme zu überstehen. Seine Wiederwahl mit 86 Prozent zeigt, dass er trotz zahlreicher Skandale und interner Kritik weiterhin auf Unterstützung zählen kann. Die Rolle der SPD als Koalitionspartner war dabei entscheidend: In Zeiten angespannter Beziehungen zwischen Union und SPD wollte man keine zusätzliche Belastung durch einen Führungswechsel in der Fraktion riskieren.
Interne Kritik und externe Unterstützung
Innerhalb der CDU war die Stimmung gegenüber Spahn zuletzt gekippt. Viele Granden sahen ihn als Belastung für die Partei. Doch die SPD, die in der Koalition auf Konfrontation setzt, wurde ungewollt zu Spahns Retter. Die Union befürchtete, dass ein Wechsel an der Fraktionsspitze die ohnehin schwierige Zusammenarbeit weiter erschweren würde. So blieb Spahn im Amt – ein Triumph für den politischen Taktiker.
Ob Spahn seine Position langfristig halten kann, bleibt fraglich. Seine Beliebtheit in der Bevölkerung ist gering, und die nächste Wahl könnte ihm zum Verhängnis werden. Doch für den Moment hat er erneut bewiesen, dass er zu den Überlebenskünstlern der deutschen Politik gehört.



