Der Ton ist scharf, die Botschaft unmissverständlich: US-Präsident Donald Trump prüft eine Reduzierung der amerikanischen Truppen in Deutschland – und baut damit mitten in einem politischen Streit eine massive Drohkulisse auf. „Die Vereinigten Staaten prüfen und bewerten derzeit eine mögliche Reduzierung der Truppen in Deutschland; eine Entscheidung soll in Kürze getroffen werden“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.
Hintergrund des Konflikts
Der Vorstoß kommt zu einem heiklen Zeitpunkt – kurz zuvor hatte Trump Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) scharf angegriffen. „Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!“, schrieb der Präsident und legte nach: „Kein Wunder, dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch in anderer Hinsicht!“ Hintergrund sind Äußerungen von Merz zum Iran-Krieg. Der Kanzler hatte den Vereinigten Staaten öffentlich vorgeworfen, „ganz offensichtlich ohne jede Strategie in diesen Krieg gegangen“ zu sein und auch keinen klaren Ausweg aus dem Konflikt erkennen zu lassen.
Merz versucht zu beschwichtigen
Noch am Mittwoch versuchte Merz zu beschwichtigen. Das persönliche Verhältnis zu Trump sei „unverändert gut“, sagte er in Berlin. Gleichzeitig blieb er bei seiner Kritik am Krieg und warnte vor wirtschaftlichen Folgen sowie Risiken für die Energieversorgung. Die USA und Israel hatten Ende Februar Luftangriffe auf den Iran begonnen; Teheran reagierte mit Attacken auf Ziele in der Region sowie mit der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Routen für Öl und Gas weltweit.
Dimension eines möglichen Abzugs
Ob Trumps Drohung tatsächlich umgesetzt wird, ist offen – die Zahlen zeigen jedoch, welche Dimension der Schritt hätte. Nach Angaben der U.S. Army von Mitte April sind derzeit rund 86.000 amerikanische Soldaten in Europa stationiert, etwa 39.000 davon in Deutschland. Standorte wie Ramstein oder das United States European Command in Stuttgart gelten als zentrale Drehkreuze für Einsätze im Nahen Osten und darüber hinaus.
Historischer Kontext
Schon in seiner ersten Amtszeit hatte Trump einen Teilabzug amerikanischer Truppen aus Deutschland angeordnet; vollständig umgesetzt wurde der Plan nicht und später unter Präsident Joe Biden gestoppt. Nun kehrt das Thema mit politischer Wucht zurück – verknüpft mit einem offenen Konflikt zwischen Washington und Berlin.



