Erfurt bereitet sich auf ein Wochenende der Superlative vor. Vom 4. bis 5. Juli 2026 findet der Bundesparteitag der AfD auf dem Messegelände statt. Die Sicherheitsbehörden rechnen mit 35.000 bis 50.000 Demonstranten, die gegen die Versammlung protestieren wollen. Gleichzeitig locken zwei ausverkaufte Konzerte von Roland Kaiser und Clueso auf dem Domplatz mit jeweils rund 15.000 Besuchern. Hinzu kommt, dass in Thüringen an diesem Wochenende die Sommerferien beginnen – viele Reisende werden auf den Autobahnen unterwegs sein. Die Stadt Erfurt und die Polizei haben umfangreiche Maßnahmen angekündigt, um die Lage zu bewältigen. Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU) spricht von einer „Ausnahmesituation“.
Massive Verkehrseinschränkungen erwartet
Bereits ab Freitag, dem 3. Juli, ist mit ersten Protestaktionen und Polizeieinsätzen zu rechnen. Thüringens Polizeipräsident Thomas Quittenbaum warnt vor „erheblichen Verkehrseinschränkungen“ in der Innenstadt. Besonders betroffen sind die Eisenacher Straße und die Gothaer Straße. Auch auf den Autobahnen könnte es zu Störungen kommen, was insbesondere Urlaubsreisende betrifft. Die Stadt empfiehlt eine Anreise über die Abfahrten Erfurt Ost und Erfurt Nord. Die Straßenbahn wird am Wochenende teilweise nicht durchgängig bis zum Messegelände fahren, und einige Buslinien könnten umgeleitet werden. Die Erfurter Gartenausstellung Ega bleibt am Samstag und Sonntag geschlossen. Anwohner in den betroffenen Ortsteilen werden von der Stadt informiert, etwa zu Fragen der medizinischen Versorgung oder Pflegedienste.
Großdemonstrationen und Polizeipräsenz
Die Polizei wird mit mehreren tausend Einsatzkräften aus Thüringen und anderen Bundesländern vor Ort sein. Bislang sind zehn Demonstrationen angemeldet, acht davon am Samstag. Die größte Versammlung, organisiert vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), wird voraussichtlich eine fünfstellige Teilnehmerzahl erreichen. Zudem ist ein großer Demonstrationszug durch die Innenstadt geplant. Polizeipräsident Quittenbaum betont, dass die Polizei sowohl die Versammlungsfreiheit der Demonstranten als auch die Durchführung des AfD-Parteitags gewährleisten muss. Er appelliert an die Demonstranten, sich an die angemeldeten Proteste zu halten und nicht an Störaktionen teilzunehmen, die nicht durch das Grundgesetz geschützt sind.
Hintergründe des Parteitags
Die AfD will auf dem Bundesparteitag einen neuen Bundesvorstand wählen. Die Co-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla streben eine erneute Bestätigung an. Thüringens AfD-Co-Chef Stefan Möller, ein Vertrauter von Björn Höcke, erwägt ebenfalls eine Kandidatur. Der Termin des Parteitags ist umstritten, da am 4. Juli vor 100 Jahren die NSDAP ihren zweiten Reichsparteitag in Thüringen abhielt. Die AfD weist Parallelen zurück. Der frühere Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) wirft der AfD vor, mit der Wahl des Ortes eine Verneigung vor Höcke zu begehen. Die Thüringer AfD wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.
Informationen für Bürger
Die Stadt Erfurt richtet einen WhatsApp-Kanal ein, über den aktuelle Informationen verbreitet werden. Zudem wird ein Bürgertelefon geschaltet. Bürger können sich vorab per E-Mail an die Stadt wenden. Die Behörden empfehlen, das Zentrum möglichst zu meiden und auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.



