Reza Pahlavi, der Sohn des 1979 gestürzten Schahs von Persien, ist bei einem Besuch in Berlin mit einer roten Soße bespritzt worden. Die Berliner Polizei bestätigte den Vorfall und teilte mit, dass ein Mann vorläufig festgenommen wurde. Die Flüssigkeit war auf der Schulter und am Hals Pahlavis sichtbar.
Hintergrund des Besuchs
Der Zwischenfall ereignete sich, nachdem Pahlavi in der Bundespressekonferenz zu Gast war, um für Unterstützung zu werben. Der im US-Exil lebende Schah-Sohn hat sich als Übergangsführer für Iran ins Spiel gebracht. Innerhalb der iranischen Opposition ist seine Person jedoch hochumstritten.
Gründe für die Kontroversen
Pahlavi unterstützt die Angriffe der USA und Israels, die auch die Zivilbevölkerung getroffen haben. Zudem regierte sein Vater, Schah Mohammad Reza Pahlavi, das Land mit harter Hand: Er ließ die Opposition unterdrücken, Kritiker landeten im Gefängnis, und sein berüchtigter Geheimdienst ging brutal gegen Gegner vor. Gleichzeitig haben andere Iraner positive Erinnerungen an die Zeit des Schahs, der das Land mit großen Reformprojekten und einer engen Anbindung an den Westen entwickelte. An diese Erinnerung versucht Pahlavi anzuknüpfen.
Politische Kontakte in Berlin
In Berlin wird Pahlavi von Unions-Außenpolitiker Armin Laschet und Außenpolitikern anderer Bundestagsfraktionen empfangen. Treffen mit deutschen Regierungsmitgliedern sind jedoch nicht geplant. Monarchistische Gruppen sehen ihn als politischen Anführer der iranischen Opposition. Wie viel Rückhalt er tatsächlich in Iran hat, ist unklar, da es aufgrund des Irankriegs und der Repressionen kaum belastbare Stimmungsbilder gibt.
Forderungen an Europa
Mit Beginn der Massenproteste in Iran im Januar hatte Pahlavi einen Machtwechsel gefordert und Polizei sowie Armee zum Überlaufen aufgerufen. Nun rief er Deutschland und die europäischen Regierungen zu mehr Engagement für einen grundsätzlichen Wandel in Iran auf. Zugleich warnte er davor, eine Beschwichtigungspolitik („Appeasement“) gegenüber dem Herrschaftssystem in Iran fortzuführen. „Meiner Ansicht nach hat Europa eine wichtige, sehr wichtige Rolle. Ich denke aber, Europa untergräbt selbst, was es tun könnte“, so Pahlavi.
Sicherheitsmaßnahmen und Proteste
In Berlin schwenkten viele Demonstranten Flaggen mit dem Emblem der 1979 von Islamisten gestürzten Monarchie, dem Löwen und der Sonne. Etliche Redner sollten im Tagesverlauf auf einer Bühne sprechen. Ob und wann Pahlavi selbst auftreten würde, war am Vormittag noch unklar. Insgesamt 800 Polizisten waren wegen der vielen Demonstrationen im Regierungsviertel im Einsatz.
In einem Interview im Februar kündigte Pahlavi an, den Aufstand aus dem Inneren von Iran führen zu wollen – auch wenn er dafür sein Leben riskieren müsse.
Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Fassung dieser Meldung war von einer Tomate die Rede, es handelt sich jedoch um eine Flüssigkeit, die aussieht wie Tomatensoße.



