Block-Prozess: Nachbarin sagt als Zeugin aus – „Den Kindern eine Stimme geben“
Im Landgericht Hamburg geht der Prozess um die Entführung der Block-Kinder weiter. Seit Juli 2025 steht Christina Block vor Gericht. Der Prozess behandelt nicht nur die Entführung selbst, sondern auch die lange Vorgeschichte des Falls. Die Nebenklage setzt dabei auf eine wichtige Zeugin: eine Nachbarin der Familie Block.
Nachbarin meldet sich beim Anwalt des Ex-Mannes
Kurz nach Prozessbeginn im Juli 2025 meldete sich eine 52-jährige Nachbarin beim Anwalt von Stephan Hensel, dem Ex-Mann von Christina Block. Sie habe von ihrem Haus aus Beobachtungen bei der Familie Block gemacht, die sie zum Weinen gebracht hätten, und wolle nicht länger schweigen. Dies gab Nebenklagevertreter Philip von der Meden am 43. Verhandlungstag im Landgericht wieder. Auf seinen Antrag hin sagte die dreifache Mutter und Hausfrau nun als Zeugin aus.
„Mein Anliegen ist es, den Kindern eine Stimme zu geben“, erklärte die Zeugin. Sie habe gelesen, dass die Kinder im Prozess nicht aussagen wollen. Sie bereue, die von ihr als „traurig“ empfundenen Szenen nicht früher gemeldet zu haben.
Christina Block weist Vorwürfe zurück
Christina Block betonte in einer Erklärung, sie kenne die Frau nicht und habe nie mit ihr gesprochen. Die Nachbarin wohne einige Häuser entfernt. Block erklärte, ihre Kinder hätten bis Sommer 2021 „fröhlich und gut“ bei ihr gelebt. Ihr Verteidiger, Ingo Bott, sprach von einer „Abrechnungsgeschichte der Nebenklage“.
Nach der Trennung von Christina Block und Stephan Hensel lebten die vier gemeinsamen Kinder zunächst jahrelang bei der Mutter. Im August 2021 brachte der Vater die beiden jüngsten Kinder nach einem Besuch in Dänemark nicht wie vereinbart nach Hamburg zurück. Hensel erhob Gewaltvorwürfe, die Christina Block als unwahr bezeichnet. Die 52-Jährige hat seither keinen Kontakt zu dem Jungen und dem Mädchen. Sie wirft ihrem Ex-Ehemann vor, die Kinder manipuliert zu haben.
Vorwürfe der Entführung und Zeugenaussagen
Christina Block soll während des langen Sorgerechtsstreits eine israelische Sicherheitsfirma beauftragt haben, zwei ihrer Kinder vom Wohnort ihres Ex-Manns in Dänemark zu entführen. Der damals zehnjährige Junge und das 13-jährige Mädchen wurden in der Silvesternacht 2023/24 gewaltsam nach Süddeutschland gebracht. Ihre Mutter holte sie von dort nach Hamburg. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette „Block House“, Eugen Block, bestreitet, den Auftrag zur Entführung erteilt zu haben.
Die Nachbarin schilderte frühere Szenen, die sie als traurig empfand: Einmal habe Blocks kleiner Sohn, damals etwa drei Jahre alt, ohne Schuhe vor dem Haus der Blocks im Regen gestanden und fürchterlich geweint. Sie habe erst gedacht, es sei ein Versehen, und ihre damals etwa 14-jährige Tochter zu Block geschickt, um sie darauf aufmerksam zu machen. Diese habe zwar die Tür geöffnet, soll aber laut der Tochter der Nachbarin nur gesagt haben: „Der Junge wüsste ganz genau, warum er dort steht“.
Morgens sei es immer sehr hektisch gewesen, wenn Block mit den vier Kindern zum Kindergarten oder zur Schule abgefahren sei. „Der Umgangston war auch nicht immer freundlich“, meinte die Zeugin. Die Kinder seien zudem viel allein gewesen. Sie habe sich aber nicht getraut, Frau Block selbst auf die Vorfälle anzusprechen, denn sie sei eine „Prominente“.
Block bezeichnet Vorwürfe als absurd
Christina Block wies die Vorwürfe später zurück: Es könne nicht stimmen, dass ihr kleiner Sohn allein ohne Schuhe im Regen gestanden hätte. Das sei „vollkommen absurd“. Zu den angeblichen Beobachtungen bei den Abfahrten sagte sie: Vielleicht sei es morgens etwas hektischer gewesen. Aber das sei Alltag und normal, wenn man berufstätig und alleinerziehend sei, erklärte die Unternehmerin.
Die Nachbarin schilderte zudem Eindrücke kurz vor der Silvesternacht 2023/24. Sie habe beobachtet, wie „Unmengen von Tüten“ in Blocks Wohnhaus geschleppt worden seien. Sonst würden nicht so viele Supermarkttüten gebracht. Sie habe gedacht, da werde wohl eine große Party stattfinden – doch am nächsten Tag sei das Haus dunkel gewesen.
Nebenklage und Verteidigung bewerten Aussage unterschiedlich
Nach Ansicht von Nebenklagevertreter Philip von der Meden untermauert die Zeugenaussage: „Frau Block wusste, dass die Entführung ansteht.“ Die Verteidigung verneint dies. Es sei auch nichts vorbereitet worden.
In dem aktuellen Verfahren gibt es sechs weitere Angeklagte. Darunter ist Blocks Lebensgefährte, der Ex-Sportmoderator Gerhard Delling (66). Auch er bestreitet, etwas Unrechtes getan zu haben. Angeklagt ist ferner ein Israeli, der seine Beteiligung an der Entführung gestanden hat.
Der Prozess geht mit dem 43. Verhandlungstag weiter, während die Zeugenaussagen die komplexe Vorgeschichte des Falls beleuchten und kontroverse Diskussionen über die Ereignisse vor der Entführung auslösen.



