Block-Prozess: Nachbarin sagt als Zeugin aus – Sie will den Kindern eine Stimme geben
Am 43. Verhandlungstag im Hamburger Block-Prozess sagte eine Nachbarin von Christina Block als Zeugin aus. Die 52-jährige dreifache Mutter und Hausfrau erklärte, ihr Anliegen sei es, den Kindern eine Stimme zu geben. Sie habe von ihrem Haus aus Beobachtungen bei Familie Block gemacht, die sie zum Weinen gebracht hätten, und wolle nicht länger schweigen.
Nachbarin schildert frühere Szenen
Die Zeugin berichtete von mehreren Vorfällen, die sie als traurig empfand. Einmal habe Blocks kleiner Sohn, damals etwa drei Jahre alt, ohne Schuhe vor dem Haus der Blocks im Regen gestanden und fürchterlich geweint. Sie habe ihre damals etwa 14-jährige Tochter zu Block geschickt, um darauf aufmerksam zu machen. Block habe zwar die Tür geöffnet, aber laut der Tochter der Nachbarin nur gesagt: „Der Junge wüsste ganz genau, warum er dort steht.“
Zudem schilderte die Nachbarin, dass es morgens immer sehr hektisch gewesen sei, wenn Block mit den vier Kindern zum Kindergarten oder zur Schule abgefahren sei. „Der Umgangston war auch nicht immer freundlich“, meinte die Zeugin. Die Kinder seien viel allein gewesen. Sie habe sich aber nicht getraut, Frau Block selbst auf die Vorfälle anzusprechen, denn sie sei eine „Prominente“.
Christina Block bestreitet die Vorwürfe
Christina Block sagte in einer Erklärung, sie kenne die Frau nicht und habe noch nie mit ihr gesprochen. Sie wohne einige Häuser von ihr entfernt. Block betonte, ihre Kinder hätten bis Sommer 2021 „fröhlich und gut“ bei ihr gelebt. Ihr Verteidiger, Ingo Bott, sprach von einer „Abrechnungsgeschichte der Nebenklage“.
Zu dem angeblichen Vorfall mit ihrem Sohn im Regen erklärte Block, es könne nicht stimmen, dass ihr kleiner Sohn allein ohne Schuhe im Regen gestanden hätte. Das sei „vollkommen absurd“. Zu den Beobachtungen bei den morgendlichen Abfahrten sagte sie: Vielleicht sei es morgens etwas hektischer gewesen. Aber das sei Alltag und normal, wenn man berufstätig und alleinerziehend sei.
Hintergrund des Falls
Nach der Trennung von Christina Block und Stephan Hensel hatten die vier gemeinsamen Kinder zuerst jahrelang bei der Mutter gelebt. Im August 2021 brachte der Vater die beiden jüngsten Kinder nach einem Besuch in Dänemark nicht wie vereinbart zurück nach Hamburg. Hensel erhob Gewaltvorwürfe, die Christina Block als unwahr bezeichnet. Die 52-Jährige hat seither keinen Kontakt zu dem Jungen und dem Mädchen. Sie wirft ihrem Ex-Ehemann vor, die Kinder manipuliert zu haben.
Block soll während des langen Sorgerechtsstreits eine israelische Sicherheitsfirma beauftragt haben, zwei ihrer Kinder vom Wohnort ihres Ex-Manns in Dänemark zu entführen. Der damals zehnjährige Junge und das 13-jährige Mädchen wurden in der Silvesternacht 2023/24 gewaltsam nach Süddeutschland gebracht. Ihre Mutter holte sie von dort nach Hamburg. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette „Block House“, Eugen Block, bestreitet, den Auftrag zur Entführung erteilt zu haben.
Weitere Details der Zeugenaussage
Die Nachbarin schilderte zudem Eindrücke kurz vor der Silvesternacht 2023/24. Sie habe beobachtet, wie „Unmengen von Tüten“ in Blocks Wohnhaus geschleppt worden seien. Sonst würden nicht so viele Supermarkttüten gebracht. Sie habe gedacht, da werde wohl eine große Party stattfinden – doch am nächsten Tag sei das Haus dunkel gewesen.
Nach Ansicht von Nebenklagevertreter Philip von der Meden untermauert die Zeugenaussage: „Frau Block wusste, dass die Entführung ansteht.“ Die Verteidigung verneint dies. Es sei auch nichts vorbereitet worden.
Sechs weitere Angeklagte
In dem aktuellen Verfahren gibt es sechs weitere Angeklagte. Darunter ist Blocks Lebensgefährte, der Ex-Sportmoderator Gerhard Delling (66). Auch er bestreitet, etwas Unrechtes getan zu haben. Angeklagt ist ferner ein Israeli, der seine Beteiligung an der Entführung gestanden hat.
Christina Block steht seit Juli 2025 vor Gericht. Der Prozess um die Entführung der Block-Kinder wirft nicht nur Fragen zur aktuellen Tat auf, sondern beleuchtet auch die lange Vorgeschichte des Falls. Die Nebenklage setzt als wichtige Zeugin auf die Nachbarin und ihre Eindrücke, um den Kindern eine Stimme zu geben.



