Block-Prozess: Verteidiger konfrontiert Chef-Ermittlerin mit Vorwürfen der Beeinflussung
Am 45. Verhandlungstag im Hamburger Entführungsprozess gegen die Steakhaus-Erbin Christina Block (52) entwickelte sich die Befragung der Chef-Ermittlerin Merle B. (44) zu einem dramatischen Schlagabtausch. Plötzlich wirkte die Situation so, als säße nicht die Angeklagte, sondern die Kriminalbeamtin selbst auf der Anklagebank. Verteidiger Ingo Bott (43) nahm die Zeugin in einem intensiven Kreuzverhör ins Visier und erhob den schwerwiegenden Vorwurf, die Ermittlerin sei in ihrer Arbeit vom Ex-Mann der Angeklagten, Stephan Hensel, beeinflusst worden.
Hintergrund des komplexen Familienrechtsstreits
Christina Block muss sich vor dem Landgericht Hamburg verantworten, weil sie eine Sicherheitsfirma beauftragt haben soll, ihre beiden jüngsten Kinder Klara und Theodor (damals 13 und 10 Jahre alt) bei deren Vater Stephan Hensel an Silvester 2023/24 in Dänemark entführen zu lassen. Der Vater hatte die Kinder mehr als zwei Jahre zuvor nach einem Besuchswochenende widerrechtlich nicht nach Hamburg zurückgebracht. Parallel läuft ein Verfahren wegen Kindesentziehung gegen Hensel, den Vater aller vier Block-Kinder.
Vorwürfe der einseitigen Ermittlungsführung
Die Kriminalbeamtin Merle B. hatte nicht nur im aktuellen Entführungsfall, sondern auch in einem früheren Verfahren ermittelt, in dem Gewaltvorwürfe gegen Christina Block erhoben wurden, die diese bis heute bestreitet. Die Polizistin räumte vor Gericht ein, dass Hensel ihr in seinem Fall mehr als 280 Dokumente zum Sorgerechtsstreit zugeschickt habe. Daraufhin warf Verteidiger Bott der Beamtin vor: „Die Ermittlungen waren auf einem Auge blind.“
Zudem habe Merle B. während ihrer Ermittlungsarbeit unzählige Male mit Stephan Hensel und dessen neuer Ehefrau Astrid H. (39) telefoniert, was Bott als „im Doppelpack“ bezeichnete. Eine Vorprägung der Ermittlerin sei „mit den Händen greifbar“. Direkt an die Zeugin gewandt fügte der Jurist hinzu: „Möglicherweise können Sie auch gar nichts dafür, dass Herr Hensel Sie um den Finger gewickelt hat.“
Polizistin bestreitet Beeinflussung vehement
Die Chef-Ermittlerin wies alle Vorwürfe einer Beeinflussung entschieden zurück: „Er war Geschädigter in einem Strafverfahren und ich war immer ansprechbar für ihn.“ In den Jahren zuvor habe sie auch für Christina Block stets ein offenes Ohr gehabt. Allerdings gestand sie ein: „Mit Frau Block habe ich keine Handvoll telefoniert. Sie wollte mich nicht sprechen.“
Kernaussage als vermeintliches Teilgeständnis
Ein zentraler Punkt der polizeilichen Ermittlungen war ein Treffen zwischen Merle B. und Christina Block am 3. Januar 2024, unmittelbar nach der Entführung. Die Polizistin berichtete dem Gericht: „Frau Block sagte, dass sie die Kinder gar nicht entführen könne, weil sie das Aufenthaltsbestimmungsrecht habe. Sie sagte: ‚Er macht eine Entführung, ich mache eine Rückführung.‘“
Verteidiger Bott wollte von der Zeugin wissen, ob sie sich mit der rechtlichen Relevanz dieser Begriffe auseinandergesetzt habe und warum sie diesen Satz in ihrer Akte unterstrichen habe. Merle B. erwiderte: „Ich habe ihn so verstanden, dass Frau Block dafür verantwortlich ist, dass die Kinder wieder hier in Hamburg sind. Für mich war das ein Teilgeständnis.“
Konfrontation mit handschriftlichem Dokument
Im weiteren Verlauf des Kreuzverhörs zeigte Ingo Bott der Kripobeamtin auf seinem Laptop einen Strafantrag, den sie Hensel per E-Mail zugeschickt und handschriftlich ausgefüllt haben soll. Der Kindsvater habe das Dokument demnach nur noch unterzeichnen müssen. Die Zeugin erkannte ihre Handschrift auf dem Dokument.
Der Verhandlungstag zog sich in die Länge, weil Blocks Verteidiger der Zeugin immer wieder Fragen zu Hensels parallelem Verfahren stellen wollte. Merle B. verwies dabei konsequent auf das Dienstgeheimnis und betonte, ihre Aussagegenehmigung beziehe sich ausschließlich auf den Entführungsfall. Schließlich ermahnte die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt den Juristen: „Wir verhandeln hier das Ereignis in der Silvesternacht.“
Die Befragung der Chef-Ermittlerin wird am 27. April fortgesetzt. Der Prozess gegen Christina Block und sechs weitere Angeklagte, die der Beihilfe beschuldigt werden, darunter Blocks Lebensgefährte Gerhard Delling (67), zieht sich weiter hin. Der ehemalige TV-Moderator hatte am Dienstag, dem 21. April, Geburtstag.



