Eine deftige Äußerung über Bundeskanzler Friedrich Merz bringt dem FDP-Politiker Wolfgang Kubicki Kritik aus der CDU ein – und sorgt auch innerhalb seiner eigenen Partei für Diskussionen. Der 74-Jährige bewirbt sich derzeit um den Vorsitz der kriselnden FDP und will die Liberalen wieder ins politische Bewusstsein rücken. Im Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ der Funke Mediengruppe erklärte Kubicki, ein Auslöser für seine Entscheidung zur Kandidatur sei gewesen, dass Merz die FDP nach den jüngsten Landtagswahlen für tot erklärt habe. In der Sekunde habe er gedacht: „Du Eierarsch, dir werde ich das zeigen!“
CDU wirft Kubicki mangelnden Anstand vor
Die CDU reagierte umgehend auf die Beleidigung. In einem Post auf der Plattform X schrieb die Partei: „Ist das der neue Ton der FDP, lieber Herr Kubicki? So wird das nichts. Früher hatte die FDP noch Stil und Anstand.“ Die Empörung in der Union ist groß, denn Kubicki habe nicht nur die Grenzen des guten Geschmacks überschritten, sondern auch den Respekt vor dem Amt des Bundeskanzlers vermissen lassen.
Kubicki äußert sich auch zur AfD-Brandmauer
In dem Podcast machte Kubicki zudem deutlich, dass er gemeinsame parlamentarische Abstimmungen mit der AfD für unproblematisch hält. Auf die Frage, ob die Brandmauer zur AfD stehe, sollte er die FDP führen, sagte er: „Die steht weder in der Verfassung noch ist sie gesetzgegeben. Ich kenne keine Brandmauer.“ Diese Aussage stieß innerhalb der FDP auf erheblichen Widerstand.
Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann warnte daraufhin davor, die Partei nach rechts zu verschieben. „Unsere Aufgabe ist es, die politische Mitte zu stärken und den Liberalismus in seiner ganzen Breite zu verteidigen“, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Nicht, ihn nach rechts zu verschieben.“
Der „Eierarsch“-Ausspruch und seine Vorgeschichte
Die Formulierung „Eierarsch“ hat gleich doppelt Geschmäckle: Abseits der beleidigenden Aussage hat Merz seit Längerem mit „Eier“-Witzen zu tun. Bei Schülerprotesten gegen die Wehrdienstreform hatte die Polizei in Berlin ein Plakat mit dem Spruch „Merz leck Eier“ beschlagnahmt, die Staatsanwaltschaft ermittelt seither wegen Verleumdung. Aus dem harten Vorgehen hat sich im Netz ein anhaltender Protest entwickelt, der Merz anhaltend mit neuen Eier-Memes in Verbindung bringt – bis hin zu heimlichen Umschreibungen von CDU-Ortsbüros auf Google Maps.
Kubicki selbst zeigte sich in dem Podcast unbeeindruckt von der Kritik. Er wolle die FDP wieder stärken und aus dem Tief holen. Ob ihm das mit solchen Aussagen gelingt, bleibt fraglich. Die Diskussion über den Ton in der Politik und den Umgang mit politischen Gegnern wird durch den Vorfall jedenfalls neu entfacht.



