Lianas Tod am Bahnhof Friedland: Urteil im Sicherungsverfahren erwartet
Lianas Tod: Urteil in Göttingen erwartet

Göttingen - Der Tod der 16-jährigen Liana, die am Bahnhof Friedland in Niedersachsen von einem Güterzug erfasst wurde, sorgte bundesweit für Entsetzen und löste politische Debatten aus. Heute um 13.00 Uhr will das Landgericht Göttingen ein Urteil im Sicherungsverfahren gegen einen 31-jährigen Mann verkünden, dem vorgeworfen wird, das Mädchen im Sommer 2025 vor den durchfahrenden Zug gestoßen zu haben.

Hintergründe des Sicherungsverfahrens

Die Staatsanwaltschaft Göttingen geht davon aus, dass der Beschuldigte an einer paranoiden Schizophrenie leidet und nicht schuldfähig ist. Daher findet kein regulärer Strafprozess mit einer Anklage statt, sondern ein sogenanntes Sicherungsverfahren. In diesem Verfahren wird nicht nur die Täterschaft des Mannes geklärt, sondern auch, ob er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird.

Beim Prozessauftakt im Februar hatte sich der Verdächtige nicht zu den Vorwürfen geäußert. Auf Empfehlung seiner Betreuer verfolgte er die Verhandlung mit angelegten Handschellen. Der 31-Jährige befindet sich derzeit im Maßregelvollzug.

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Politische Dimension und weitere Ermittlungen

Der Fall um Liana, die 2022 mit ihrer Familie aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet war, beschäftigte auch die Politik. Der ausreisepflichtige Iraker hätte nach den europäischen Asyl-Regeln eigentlich schon Monate vor der Tat nach Litauen gebracht werden sollen. Heute befasst sich auch der niedersächsische Landtag erneut mit möglichen Konsequenzen. Innenministerin Daniela Behrens (SPD) muss sich dabei Fragen der CDU-Opposition stellen.

Kurz vor dem Prozessauftakt im Februar wurden Ermittlungen wegen Geheimnisverrats bekannt. Informationen aus einer vertraulichen Sitzung des Innenausschusses zum Fall Liana waren an die Öffentlichkeit gelangt. Diese Ermittlungen wurden jedoch eingestellt, da die Quelle nicht ermittelt werden konnte.

Strafverfolger fordern Unterbringung

Trotz der möglichen Schuldunfähigkeit sehen die Göttinger Strafverfolger in der Tat einen heimtückischen Mord. Die am Bahnsteig wartende Jugendliche habe nicht mit einem Angriff rechnen können. Die Staatsanwaltschaft hält den Beschuldigten für eine Gefahr für die Allgemeinheit und strebt die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. An der Schulter des Opfers wurden DNA-Spuren des Verdächtigen gefunden, jedoch gab es keine direkten Tatzeugen oder Videoaufnahmen.

Die Verteidigung plädierte auf Freispruch mangels ausreichender Beweise, während die Nebenklage, die die Mutter vertritt, eine Verurteilung wegen Mordes forderte. Sie geht von verminderter Schuldfähigkeit aus und wollte einen Wechsel in ein reguläres Strafverfahren.

Trauerfeier in Thüringen

Die 16-jährige Liana wurde im September unter großer Anteilnahme in Heilbad Heiligenstadt in Thüringen beigesetzt. Familie und Freunde nahmen bei einer ukrainisch-orthodoxen Zeremonie Abschied.

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