Der Mordprozess um den getöteten Fabian aus Güstrow ist am Landgericht Rostock fortgesetzt worden. Dabei kamen neue Details ans Licht, die den Fall in ein noch tragischeres Licht rücken. So soll der achtjährige Junge massiv unter Einsamkeit gelitten haben. Zudem gibt es eine neue Entwicklung bezüglich der Tatwaffe.
Neues Messer als mögliche Tatwaffe entdeckt
Richter Holger Schütt gab bekannt, dass die Polizei in Güstrow doch noch ein Messer gefunden hat, das bereits im Dezember 2025, zwei Monate nach Fabians Tod, entdeckt und vom Vater gemeldet worden war. Der Vater hatte im Prozess scharf kritisiert, dass die Polizei damals eine Untersuchung des Fundes abgelehnt habe. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob es sich um die bisher vermisste Tatwaffe handelt. Der Finder des Messers soll als Zeuge gehört werden. Zudem kündigte Richter Schütt zehn weitere Verhandlungstermine an, sodass der Prozess voraussichtlich bis August dauern wird.
Mutter des Schulfreundes: „Der Junge hat bei uns nach Liebe gesucht“
Die Mutter des besten Schulfreundes von Fabian berichtete am Mittwoch im Prozess, dass sich Fabian schon lange sehr allein zu Hause gefühlt habe. „Der Junge hat bei uns nach Liebe gesucht“, sagte die Zeugin. Sie habe am Wochenende manchmal drängen müssen, dass Fabian überhaupt nach Hause geht. Nach den Schilderungen des Achtjährigen sei er auch spätabends oft allein gewesen, weil seine alleinerziehende Mutter lieber im Garten mit Freunden gesessen und dort Alkohol getrunken haben soll. „Fabi war immer hungrig“, fügte die Zeugin hinzu.
Von seinem Vater, der seit 2018 getrennt von der Mutter lebte, sei Fabian ab Sommer 2025 wieder begeistert gewesen. Auf dem Dorf habe er ein Baumhaus gebaut und sich schon auf das Wochenende nach dem 10. Oktober 2025 gefreut – dem Tag, an dem er einer Gewalttat zum Opfer fiel.
Lehrerin: „Er war sehr oft allein in der Stadt unterwegs“
Die Klassenlehrerin von Fabian bestätigte die Einsamkeit des Jungen. „Er war sehr oft allein in der Stadt unterwegs“, sagte die 29-jährige Lehrerin. Fabian habe keinen Hortplatz mehr gehabt. Zu Beginn der 3. Klasse im Herbst 2025 habe er stolz berichtet, dass er jetzt wieder Kontakt zu seinem Vater habe. In der Schule hatte Fabian Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben, aber Mathe mochte er gern. Von der Angeklagten, der ehemaligen Freundin seines Vaters, habe er nie gesprochen.
Ermittlungen gegen den Vater wegen Falschaussage
Zu Beginn des Verhandlungstages gab Oberstaatsanwalt Harald Nowack bekannt, dass gegen Fabians Vater wegen des Verdachts der Falschaussage ermittelt wird. Man hege den Verdacht, dass der 35-Jährige in einigen Punkten nicht die Wahrheit gesagt habe. Richter Schütt ermahnte alle Prozessbeteiligten, keine Datenträger oder Beweismittel an Unbefugte weiterzugeben, da solche Informationen bereits in die Hände von Bekannten der Mutter gelangt sein sollen.
Die Anklage: Eifersucht als Motiv?
Die Staatsanwaltschaft wirft der 30-jährigen Ex-Freundin des Vaters vor, Fabian am 10. Oktober 2025 von der Wohnung der Mutter abgeholt und später an einem Feld bei Klein Upahl mit mehreren Messerstichen getötet zu haben. Der Junge soll der wechselhaften Beziehung der Angeklagten mit dem Vater im Wege gestanden haben, was die Verteidigung bezweifelt. Aus Chatnachrichten geht hervor, dass die Angeklagte im August 2025 nach der vorletzten Trennung des Paares zweimal versucht haben soll, sich das Leben zu nehmen. Der Vater hatte angegeben, dass er die Angeklagte damals verlassen hatte, um mehr Freiraum zu haben.



