Mordprozess um Fabian (8): Angeklagte schweigt – grausige Details
Mordprozess um Fabian: Angeklagte schweigt (29.04.2026)

Der erste Prozesstag im Mordfall des achtjährigen Fabian aus Güstrow war nach 20 Minuten bereits beendet. „Wir werden keine Angaben zur Sache machen“, erklärte Anwalt Andreas Ohm am Dienstagvormittag um 9.43 Uhr im großen Verhandlungssaal des Landgerichts Rostock. Er sprach für die Angeklagte Gina H.

Die 30-Jährige saß in einem schwarz-weißen Oberteil mit nackten Armen neben ihm und hatte sich beim Eintreten einen roten Ordner vors Gesicht gehalten. Ihre auffälligen Tätowierungen an den Oberarmen waren deutlich zu erkennen. Etwa 80 Zuschauer waren in den Saal gekommen, die meisten verließen ihn schweigend und ratlos.

Angeklagte zeigt keine Regung

Gina H. hörte die Anklage regungslos an und sprach nur gelegentlich mit ihrem Anwalt. Trotz der schwerwiegenden Vorwürfe rechtfertigte sie sich nicht. „Ist sie unschuldig und hat damit wirklich nichts zu tun? Aber dann hätte sie ja was sagen können“, empörte sich eine Besucherin vor dem Gerichtsgebäude.

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Der Angeklagten gegenüber, in mehr als zehn Metern Abstand, saß die Mutter des Jungen, die als Nebenklägerin am Prozess teilnimmt. Sie verharrte während der Anklageverlesung in aufrechter, steifer Haltung, neben ihrer Anwältin Christine Habetha.

Die Tat: Sechs Messerstiche

Fabian wurde am 10. Oktober 2025 durch mehrere Messerstiche an einem Wasserloch bei Klein Upahl getötet, das in der Anklage als „Schweinekuhle“ bezeichnet wird. Die Staatsanwaltschaft wirft der ehemaligen Freundin des Vaters Mord aus „niederen Beweggründen und aus Heimtücke“ vor. Ihr droht lebenslange Haft.

Die 30-Jährige soll den Jungen unter einem Vorwand von der Wohnung der Mutter in Güstrow abgeholt haben. Sie wusste, dass er an dem Tag allein zu Hause war. Die Beziehung zwischen Fabians Vater und der Angeklagten hatte im August 2025 geendet.

Streit zwischen Vater und Angeklagter

Der Junge hatte eine körperliche Auseinandersetzung zwischen Gina H. und seinem Vater mitbekommen und wollte danach nicht mehr nach Klein Upahl. Der Vater bemühte sich, das Verhältnis zu seinem Sohn zu verbessern, was die Angeklagte offenbar störte. Mehrere Versuche, die Beziehung zum Vater wiederherzustellen, waren gescheitert.

Eine Chatnachricht am 9. Oktober, in der der Vater schrieb, er wolle die Beziehung nicht wieder aufleben lassen, da ihm die Beziehung zu seinem Sohn wichtig sei, soll der Auslöser gewesen sein.

Die Tat und ihre Folgen

Am 10. Oktober holte die Angeklagte Fabian in ihr Auto und fuhr mit ihm ins Grüne. Sie schaltete ihr Handy um 11.22 Uhr aus und ging mit dem Jungen zum Wasserloch. Dort stach sie sechsmal mit einem Messer mit zehn Zentimeter langer Klinge auf ihn ein. „Zwei Stiche gingen ins Herz“, sagte der Staatsanwalt. Im Publikum herrschte betretenes Schweigen.

Nach der Tat fuhr die Angeklagte zu einem Treffen mit einem Bekannten, das bis 13.40 Uhr dauerte. Dort fasste sie den Entschluss, die Leiche zu verbrennen. Sie setzte den toten Jungen mit Grillanzünder und Brandbeschleuniger in Brand, aber die Leiche verbrannte nicht vollständig.

Als Fabian am Abend als vermisst gemeldet wurde, war er bereits mehrere Stunden tot. Vier Tage später wurde die Leiche entdeckt. Die Angeklagte selbst hatte die Polizei verständigt und behauptet, den Leichnam zufällig bei einem Spaziergang gefunden zu haben.

Festnahme und U-Haft

Die Frau wurde zunächst als verdächtig eingestuft, aber erst im November 2025 verhaftet. Seither sitzt sie in Untersuchungshaft. Mehrere Versuche ihres Anwalts, sie freizubekommen, scheiterten. Die Fußfesseln, mit denen sie vorgeführt wurde, wurden ihr zu Verhandlungsbeginn abgenommen.

Appell des Richters

Richter Holger Schütt appellierte an alle Besucher und Medienvertreter, die Angeklagte nicht vorzuverurteilen. „Bis zum Ende des Prozesses gilt die Unschuldsvermutung“, sagte er. Der Prozess wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt, dann soll Fabians Mutter als Zeugin aussagen. Am Nachmittag ist der Vater geladen. Bis Anfang Juli sind 16 weitere Verhandlungstermine geplant.

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