Weihnachtsmarkt-Anschlag: Gericht beleuchtet psychische Langzeitfolgen für Betroffene
Im Prozess zum verheerenden Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt hat das Landgericht Magdeburg weitere Zeugen gehört, die über die tiefgreifenden psychischen Auswirkungen des Ereignisses berichteten. Beim Angriff am 20. Dezember 2024 kamen sechs Menschen ums Leben, darunter fünf Frauen und ein neunjähriger Junge. Mehr als 300 Personen erlitten teils schwerste Verletzungen, doch die nicht-körperlichen Wunden sind ebenso gravierend.
Traumatische Erlebnisse prägen das Leben der Zeugen
Ein 62-jähriger Mann, der zum Zeitpunkt des Anschlags auf dem Weihnachtsmarkt arbeitete, schilderte dem Gericht seine erschütternden Erinnerungen. Er wollte gerade Seife und Toilettenpapier holen, als das Tatfahrzeug nur zwei bis drei Meter an ihm vorbeifuhr. „Ich habe einfach nicht geglaubt, was ich gesehen habe“, sagte er aus. Menschen seien durch die Luft geflogen, während der Wagen beschleunigte und in Schlängellinien über den Markt raste. Heute leide er unter schweren Schlafstörungen und schlafe nur noch zwei bis drei Stunden pro Nacht. „Es ist drin in meinem Kopf und das wird wohl auch so bleiben“, fügte er hinzu.
Psychische Folgen stehen im Fokus der Verhandlung
Das Landgericht Magdeburg konzentriert sich in dieser Phase des Prozesses speziell auf Betroffene, die beim Anschlag keine direkten körperlichen Verletzungen erlitten, aber unter erheblichen psychischen Langzeitfolgen leiden. Viele der Zeugen berichteten von anhaltender Angst vor Menschenmengen, die sie konsequent meiden. Bestimmte Geräusche lösen bei ihnen Panikattacken aus, und Schlafstörungen sind weit verbreitet. Diese Aussagen sollen helfen, das volle Ausmaß der Tat zu dokumentieren und die psychologischen Konsequenzen für die Opfer zu würdigen.
Hintergrund des Verfahrens gegen den Angeklagten
Es handelte sich um den 26. Verhandlungstag gegen Taleb Al-Abdulmohsen, der als Todesfahrer des Weihnachtsmarkt-Anschlags angeklagt ist. Laut der Generalstaatsanwaltschaft Naumburg lenkte der damals 50-Jährige einen PS-starken Mietwagen mit Geschwindigkeiten von bis zu 48 Kilometern pro Stunde über den belebten Weihnachtsmarkt. Die Anklage wirft ihm sechsfachen Mord und versuchten Mord in 338 Fällen vor. Der Prozess dient nicht nur der strafrechtlichen Aufarbeitung, sondern auch der Anerkennung des Leids aller Betroffenen, deren Leben durch diesen Tag nachhaltig verändert wurde.
Die Zeugenaussagen unterstreichen, dass die Folgen des Anschlags weit über die physischen Verletzungen hinausgehen und viele Menschen mit traumatischen Erinnerungen und psychischen Belastungen kämpfen müssen. Das Gericht wird voraussichtlich weitere Betroffene anhören, um ein umfassendes Bild der Tat und ihrer Auswirkungen zu erhalten.



