Gewalttaten überschatten Bürgermeisterwahl in Ueckermünde
Die Bürgermeisterwahl in Ueckermünde wird von einer Serie gewalttätiger Angriffe überschattet, die bei Kandidaten und Behörden für tiefe Besorgnis sorgen. In der Nacht zum Sonntag wurden offenbar Schüsse auf das Wohnhaus des parteilosen Bürgermeisterkandidaten Meik von Deetzen abgefeuert, während am selben Tag ein Polizeistreifenwagen mit einem Steinwurf attackiert wurde.
Ermittlungen wegen versuchten Tötungsdelikts
Die Staatsanwaltschaft und das Polizeipräsidium Neubrandenburg haben wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts Ermittlungen aufgenommen. Laut einer gemeinsamen Pressemitteilung wurden am Sonnabendabend in Ueckermünde/Berndshof zwei Knallgeräusche gemeldet, die die Bewohner als Schüsse interpretierten. Die Kriminalpolizeiinspektion Anklam ermittelt nun gegen unbekannte Täter wegen versuchten Totschlags.
„Mir geht es gut. Es ist alles okay“, sagte Meik von Deetzen gegenüber dem Nordkurier, nachdem er trotz der schlaflosen Nacht am Sonntagnachmittag am Bürgermeisterforum im Kinosaal teilgenommen hatte. Weitere Äußerungen wollte und konnte der Kandidat nicht tätigen.
Serie von Angriffen auf Kandidaten
Bereits in den vergangenen Wochen gab es mehrere Angriffe auf den parteilosen Bürgermeisterkandidaten Karsten Berndt:
- Im Januar wurden Scheiben seines Bürgerbüros eingeworfen
- Wenige Tage später wurde ein mutmaßlicher Brandsatz gegen sein Haus geschleudert
- Zuletzt zerstachen Unbekannte zwei seiner Autoreifen
Die Polizei prüft nun, ob Zusammenhänge zwischen diesen Vorfällen und den aktuellen Angriffen bestehen.
Steinwurf auf Polizeifahrzeug während Forum
Während das Bürgermeisterforum im Kinosaal friedlich und ohne Aggressionen verlief, wurde gegen 16.40 Uhr ein Streifenwagen der Ueckermünder Polizei attackiert. Ein Steinwurf zerstörte die hintere Seitenscheibe des Fahrzeugs, in dem sich zwei Polizeibeamte befanden.
„Nur durch Glück wurde keiner der beiden Polizeibeamten verletzt“, teilte die Polizei mit. Das Wurfgeschoss wurde neben dem Funkstreifenwagen sichergestellt, doch die Beamten konnten keinen Tatverdächtigen ausmachen. Die Polizei bittet um Zeugenhinweise unter der Telefonnummer 39771 8224 oder über die Internetwache.
Kandidaten verurteilen Gewalt einhellig
Die Bürgermeisterkandidaten zeigten sich tief betroffen und distanzierten sich einhellig von den Gewalttaten:
„Das ist ein No-Go“, sagte Tino Spiegelberg (parteilos) zu den Schüssen. „Wo sind wir hier?“
Martin Kühnl-Mossner (parteilos) verurteilte die Taten ebenfalls und bedauerte, dass der Wahlkampf mit solchen Vorfällen überlagert werde. „Ich verurteile das. Das geht gar nicht“.
Karsten Berndt (parteilos), der selbst bereits Ziel von Angriffen war, erklärte: „Die aktuellen Ereignisse erschüttern mich. Gewalt darf in unserer Stadt keinen Platz haben“.
René Hafenstein (parteilos) betonte: „Solche Handlungen entbehren jeder demokratischen Haltung“.
Hartmut Baranowski (AfD) distanzierte sich von den Taten und meinte: „Das ist kein Wahlkampf mehr“.
Jeremy Brehme (Bündnis Deutschland) sprach von einem „Klima der Einschüchterung“, das das Fundament des Zusammenlebens gefährde.
Bürgermeister verurteilt Angriffe scharf
Bürgermeister Jürgen Kliewe (parteilos), der am Montag auswärts unterwegs war, erklärte, solche Angriffe auf Bewerber für das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters seien nicht zu tolerieren. „Ich verurteile jegliche Angriffe auf Personen und Gegenstände“, sagte er und fügte hinzu: „Die Gesellschaft verrohe leider immer weiter. Es dürfe nur mit Sachargumenten agiert werden“.
Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Angriffe und möglichen politischen Motiven laufen derzeit auf Hochtouren, während die Bürgermeisterwahl in Ueckermünde unter dem Schatten dieser beunruhigenden Vorfälle weitergeht.



