Grüner OB nennt sich „Bürgaymeister“: Er ist Münchens neuer Superstar
Dominik Krause (35) wird Münchens neuer Oberbürgermeister. Auf der Wiesn kommt es dieses Jahr zu einer historischen Premiere: Wenn das Oktoberfest eröffnet wird, steht Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (59, CSU) neben einem Grünen am Zapfhahn. Krause wird ihm als neuer Münchner Oberbürgermeister die erste Maß überreichen.
Für zusätzliche Würze sorgt schon jetzt eine alte Bekannte: Ex-Grünen-Chefin Ricarda Lang (32), der Söder in der Vergangenheit gern mit Häme begegnet ist, konnte sich ihre Schadenfreude nicht verkneifen. Sie werde wohl zum nächsten Oktoberfest nach München fahren, „einfach nur, um neben Markus Söder zu stehen, wenn er einem Grünen zuschaut, wie er das Fest eröffnet“, stichelte Lang.
Historischer Wahlsieg mit persönlichem Touch
München hat gewählt: Krause wird der erste Grüne und zugleich der erste offen schwule Oberbürgermeister der bayerischen Landeshauptstadt. Mit 35 Jahren ist er außerdem der jüngste Münchner OB seit dem legendären Hans-Jochen Vogel, der einst die Olympischen Spiele 1972 nach München holte. Eine Parallele, die passt: Auch Krause wirbt offen für eine neue Olympia-Bewerbung.
Beim Christopher Street Day 2025 tanzte er, damals noch als 2. Bürgermeister, auf dem Wagen der Grünen mit dem Schriftzug „Bürgaymeister“. Privat lebt Krause mit seinem Verlobten Sebastian Müller, einem Arzt, im früheren Arbeiterviertel Giesing. Kennengelernt haben sich die beiden als Jugendliche in einem Tanzkurs, heute sind sie seit fast zwei Jahrzehnten ein Paar.
Müller begleitet ihn regelmäßig zu öffentlichen Terminen und wird nun Münchens erster „First Gentleman“. Geheiratet wurde bislang noch nicht – auch, weil im politischen Alltag schlicht die Zeit fehlte.
Social-Media-Strategie als Erfolgsgeheimnis
Privates versteckt der designierte München-OB nicht – im Gegenteil. Auf Instagram zeigt er Urlaube mit seinem Partner, Auftritte mit Regenbogenflagge und Einblicke in seinen Alltag. Krauses sexuelle Identität ist Teil seines öffentlichen Auftretens, ohne dass er sie besonders inszeniert. Überhaupt: Social Media war wohl einer der Schlüssel zu seinem Erfolg.
Während viele Wähler ihn lange kaum kannten, gab Krause online schon Gas: Auf Instagram und TikTok erklärt er politische Entscheidungen, dreht kurze Videos aus der Stadt, beantwortet Fragen. Im Wahlkampf veröffentlichte er sogar Clips auf Italienisch, um Münchens große italienische Community anzusprechen. Seine Inhalte sind einfach gehalten, konkret und oft an Orte gebunden, über die gerade entschieden wird.
Politische Schwerpunkte und kontroverse Aussagen
Politisch setzte er im Wahlkampf vor allem auf ein Thema: Wohnraum. Krause will dafür vor allem stehende Büros in Wohnungen umwandeln und schließt auch Enteignungen nicht aus. Außerdem setzt er auf den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und der E-Mobilität.
Geboren wurde Krause 1990 in München, wuchs in den Münchner Stadtteilen Moosach und Untermenzing auf. Nach dem Zivildienst studierte er Physik und machte einen Masterabschluss. In die Politik kam er nach eigenen Angaben durch einen Neonazi-Aufmarsch – „das hat mich schockiert, und ich dachte mir: Jetzt musst du aktiv werden, dich engagieren“, so schilderte er es einmal. 2014 zog er für die Grünen in den Stadtrat ein, später wurde er Zweiter Bürgermeister.
Bekannt ist er auch für klare Aussagen – gern auch gegen die eigene Partei. So warb er offen für eine Olympia-Bewerbung, sehr zum Missfallen einiger Parteikollegen. Sein größter Aufreger: 2023 nannte Krause das Oktoberfest die „größte offene Drogenszene der Welt“, um für die Cannabislegalisierung zu werben. Die Wirte tobten.
Im Herbst steht er trotzdem im Schottenhamel-Festzelt, dann als Gastgeber und vor der ersten großen Bewährungsprobe: Zwei Schläge, mehr gestehen die Münchner ihrem OB nicht zu, um das erste Wiesn-Fass anzuzapfen. Sonst kann es bald schon wieder vorbei sein mit der Herrlichkeit.



