Helgoland: Die Debatte um eine Landverbindung zur Düne kehrt zurück
Die Nordseeinsel Helgoland, bekannt für ihre exponierten Felsen wie die "Lange Anna", steht vor gewaltigen Herausforderungen. Mit mehr als 1.300 Bewohnern kämpft die Gemeinde gegen eine wachsende Wohnungsnot, marode Hafenanlagen und leere Kassen. Bürgermeister Thorsten Pollmann (parteilos) hat nun einen alten Plan wiederbelebt, der 2011 in einer Abstimmung scheiterte: Sandaufspülungen zwischen der Hauptinsel und der Düne, um fast einen Quadratkilometer neues Land zu schaffen.
Sanierungsstau von bis zu 500 Millionen Euro belastet die Insel
Pollmann schätzt den Investitionsbedarf für die Instandsetzung der Inselhäfen und Küstenschutzanlagen auf bis zu 500 Millionen Euro. Eine Landverbindung könnte etwa die Hälfte dieser Kosten, beispielsweise für den Dünenhafen, einsparen. Die Baukosten für die Aufspülung sollen durch den Verkauf der neuen Grundstücke gedeckt werden. "Die drei Hafenanlagen und die Landungsbrücke sind richtig marode", erklärt Pollmann. Die Gemeinde habe kein Geld für diese Aufgabe, und auch Bund, Land und Kreis stünden nicht bereit.
Wohnungsnot und demografische Probleme verschärfen die Lage
Aktuell gibt es auf Helgoland etwa 2.500 Gästebetten, doch die Nachfrage nach Wohnungen ist enorm. "Im Moment haben wir auf jede Wohnung, die wir ausschreiben, rund 20 Bewerbungen", so Pollmann. Viele Menschen mit Arbeitsverträgen finden keinen Wohnraum, und manche Bewohner verlassen die Insel sogar, weil es ihnen zu teuer wird. Die Einwohnerzahl sinkt, und der Zuzug von Rentnern ist wegen des Wohnungsmangels unmöglich. Dabei könnte dieser Zuzug helfen, die Lebensbedingungen aller Älteren zu verbessern, etwa durch einen wirtschaftlich tragfähigen Pflegedienst.
Bürgermeister Pollmann sucht eine strukturierte Diskussion
Pollmann betont, dass er die Debatte neu beleben wollte, ohne vorab jemanden einzuweihen. "Das war der erste Aufschlag. Alle sollten davon überrascht werden." Er wünscht sich eine vernünftige und strukturierte Diskussion, um Streit wie beim letzten Mal zu vermeiden. Als Nächstes plant er Gespräche mit der Gemeindevertretung und den Insulanern, die in einem neuen Bürgerentscheid münden könnten. Reaktionen seien bisher gemischt: Gewerbetreibende reagierten positiv, während einige Gäste wünschen, alles solle bleiben, wie es ist.
Unterstützung von Bauunternehmer und Hotelier
Der Hamburger Bauunternehmer Arne Weber, der bereits 2008 den Vorschlag für eine Verbindung machte, zeigt sich optimistisch. "Technisch ist eine solche Aufspülung gar kein Problem", sagt er. "Die Pläne sind bis ins Detail ausgearbeitet. Wir stehen bereit." Der Helgoländer Hotelier Detlev Rickmers sieht in dem Plan sogar die einzige Chance für die Insel. "Es geht mir nicht um den Tourismus, sondern ums Überleben der Helgoländer", betont er.
Pollmann selbst ist hin- und hergerissen. "So wie es jetzt ist, ist es schon cool", gibt er zu. Doch die Zeit habe sich geändert, und er sehe im Moment keine andere Lösung. Die Debatte um Helgolands Zukunft ist damit erneut entfacht, mit weitreichenden Folgen für die Nordseeinsel.



