Münchens erster grüner Oberbürgermeister: Dominik Krause im Interview
Der frisch gewählte Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause hat eine politische Sensation geschafft. Mit 35 Jahren wird er der erste grüne Rathauschef der bayerischen Landeshauptstadt. In einem ausführlichen Interview spricht er über seine Pläne für die kommende Amtszeit, die anstehenden Koalitionsverhandlungen und seine Vision für ein weltoffenes München.
Wahlkampf für Aufbruch statt gegen Personen
„Ich habe keinen Wahlkampf gegen Dieter Reiter geführt, sondern einen für Aufbruch in der Stadt“, betont Krause. Seine Schwerpunkte seien bezahlbares Wohnen, mehr öffentlicher Nahverkehr, Klimaschutz und mehr Grünflächen gewesen. Der Grund für den Wahlsieg liege im guten Angebot seiner Partei, nicht in persönlichen Angriffen.
Obwohl der FC-Bayern-Skandal und der Rücktritt von Edmund Stoiber als Verwaltungsbeiratsvorsitzender den Wahlkampf beeinflusst haben könnten, ist Krause überzeugt: „Auch ohne diesen Vorgang haben viele Münchner Lust auf Veränderung.“ Die niedrige Wahlbeteiligung von unter 50 Prozent sieht er als Herausforderung, die er durch konkrete Maßnahmen angehen will.
Bezahlbares Wohnen als nicht verhandelbarer Schwerpunkt
Für Krause steht bezahlbares Wohnen im Mittelpunkt seiner Amtszeit. „Das wichtigste Thema meines Wahlkampfs war bezahlbares Wohnen“, erklärt er. Ab dem 11. Mai, dem Beginn der neuen Legislatur, will er eine Stelle gegen Mietwucher und zur Bekämpfung von Leerstand gründen. Diesen Punkt bezeichnet er als nicht verhandelbar, betont aber, dass fast alle Parteien hier dieselbe Wahrnehmung teilen.
Zur Finanzierung seiner Vorhaben setzt Krause auf Einsparungen bei Verwaltungskosten, um Investitionen in Schulen, Kitas und den ÖPNV zu ermöglichen. Sein grünes Wahlprogramm sei bewusst bodenständig und an der aktuellen Haushaltslage orientiert.
Neue Führungskultur und breite Koalitionen
Krause kündigt eine neue Führungskultur im Rathaus an. „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir gerade in den aktuell herausfordernden Zeiten auch über übliche Koalitionen hinaus möglichst breite Mehrheiten finden“, sagt er. Sein Anspruch als Oberbürgermeister sei es, Motor der Koalition zu sein – egal welche am Ende zustande kommt.
Die Gespräche wird er zunächst mit der SPD führen, aber auch mit der CSU sprechen. „Demokraten müssen miteinander sprechen können, gerade in so herausfordernden Zeiten wie momentan“, betont er. Die Zusammenarbeit mit Ministerpräsident Markus Söder bezeichnet er als notwendig für den wechselseitigen Erfolg.
Jugend und Vielfalt als Stärke
Als junger, schwuler Politiker sieht Krause seine Identität nicht als Hindernis. „Die Sexualität von Politikern spielt in München heutzutage zum Glück keine Rolle mehr“, sagt er. Sein Alter betrachtet er sogar als Vorteil: „Mit einem jüngeren OB kommt frischer Wind rein und dann tut sich endlich wieder was.“ Er verweist auf Hans-Jochen Vogel, der als junger Oberbürgermeister München modernisiert habe.
Die Aufbruchstimmung aus dem Wahlkampf will Krause nun ins Rathaus tragen. Sein Credo: „Das ist viel zentraler als irgendein parteipolitisches Hickhack und Geplänkel.“ Ob die Stimmung verpufft, wenn schwierige Entscheidungen anstehen, wird sich zeigen – doch Krause ist entschlossen, München zu modernisieren.



