Perlebergs pfiffiger Steuertrick: Stadt will Zehntausende Euro sparen
In Zeiten knapper Kassen suchen nicht nur Privathaushalte, sondern auch Kommunen nach intelligenten Wegen, um Geld zu sparen. Die Stadt Perleberg in der Prignitz hat nun einen cleveren Vorschlag entwickelt, der die städtischen Finanzen entlasten könnte. Der leitende Kämmerer Dirk Starck erläutert das innovative Konzept, das ohne versteckte Nebenkosten oder großen bürokratischen Aufwand auskommen soll.
Das Prinzip: Gewinne und Verluste verrechnen
Der Plan basiert auf der rechtlichen Konstruktion eines Betriebs gewerblicher Art (BgA). Dabei handelt es sich um ein Unternehmen, das Erträge erzielt – in Perleberg fallen darunter auch zwei städtische Kindertagesstätten. Diese Kitas arbeiten in der Regel defizitär und verzeichnen regelmäßig Verluste. Gleichzeitig hält die Stadt Anteile an profitablen Unternehmen wie der PVU oder der WEMAG, aus denen regelmäßige Gewinnausschüttungen fließen.
Bisher musste Perleberg auf diese Ausschüttungen Kapitalertragssteuer und Solidaritätszuschlag zahlen. Künftig sollen diese Einkünfte mit den Verlusten der Kitas verrechnet werden. „Die Gewinne werden mit den Verlusten verrechnet“, erklärt Kämmerer Dirk Starck. Dafür müssen die Firmenanteile in den separat zu erklärenden BgA eingebracht werden.
Erhebliche Einsparungen möglich
Das Defizit der Kindertagesstätten ist laut Starck groß genug, um die bisher angefallenen Steuern komplett zu vermeiden. Im Jahr 2024 beliefen sich die Steuerzahlungen auf rund 80.000 Euro, 2025 waren es etwa 50.000 Euro. Dieses Geld könnte die Stadt künftig einsparen und für andere kommunale Aufgaben verwenden.
Der Kämmerer betont, dass das Vorhaben kaum mit Risiken verbunden sei: „Wenn die Kitas irgendwann mal einen Gewinn machen, dann haben wir ein Problem, weil wir dann zusätzlich zu der Kapitalertragssteuer noch Körperschaftssteuer zahlen müssen“, räumt Starck ein. „Aber es ist recht unwahrscheinlich, dass eine Kita in den nächsten Jahren Gewinne macht“, fügt er beruhigend hinzu.
Demokratische Abstimmungen laufen
Im Hauptausschuss der Stadt wurde bereits am 16. April über das Vorhaben abgestimmt – die Wahlberechtigten stimmten einstimmig zu. Die letzte Hürde ist nun die Abstimmung in der Stadtverordnetenversammlung am kommenden Donnerstag, dem 23. April.
Starck geht davon aus, dass die Stadtverordneten dem Vorhaben zustimmen werden. Damit stünde der Sparmaßnahme nichts mehr im Weg. Im Vorfeld habe man sich bereits umfangreich mit dem Thema auseinandergesetzt: „Wir haben uns da von einer größeren Steuerberatungskanzlei beraten lassen“, erklärt der Kämmerer die professionelle Vorbereitung.
Dieser innovative Ansatz zeigt, wie Kommunen durch kreative Finanzplanung ihre Haushalte entlasten können, ohne Dienstleistungen für die Bürger einzuschränken. Perleberg könnte mit diesem Modell Vorbild für andere Städte werden, die ähnliche finanzielle Herausforderungen bewältigen müssen.



