Ueckermünde: Teurer Straßenausbau belastet Anwohner finanziell
In der vorpommerschen Stadt Ueckermünde sorgt ein geplanter Straßenausbau für erhebliche Diskussionen und finanzielle Bedenken bei den betroffenen Anwohnern. Die Wiesenstraße, die bisher lediglich als geschotterter Sandweg existiert, soll endlich ausgebaut werden. Doch dieser Fortschritt hat einen hohen Preis: Die Grundstückseigentümer müssen laut geltendem Recht satte 90 Prozent der Baukosten selbst tragen.
Gesamtsumme von 360.000 Euro berechnet
Das städtische Bauamt hat für den Ausbau der 360 Meter langen Wiesenstraße eine Gesamtsumme von etwa 360.000 Euro kalkuliert. Da es sich um eine Ersterschließung handelt, ist die Stadt gemäß Baugesetzbuch verpflichtet, die Anlieger mit diesem hohen Prozentsatz an den Kosten zu beteiligen. Für die Eigentümer der relativ kurzen Straße könnten dadurch schnell individuelle Belastungen von jeweils 10.000 Euro oder mehr entstehen.
Einige Anwohner zeigen sich bereits jetzt skeptisch und haben angekündigt, eine genaue Prüfung vorzunehmen, sollte der Ausbau tatsächlich realisiert werden. Die Frage „Müssen wir das wirklich bezahlen?“ steht im Raum und sorgt für Unmut.
Stadt versucht Kostenbelastung zu minimieren
Bürgermeister Jürgen Kliewe (parteilos) betonte jedoch, dass noch keine endgültige Entscheidung für den Ausbau getroffen wurde. Die Verwaltung werde zunächst noch einmal detaillierte Berechnungen anstellen, um den Anwohnern konkrete Kostenvorstellungen präsentieren zu können. Erst in der Juni-Sitzung der Stadtvertreter soll abschließend über das Projekt befunden werden.
Bauamtsmitarbeiter Torsten Bröcker-Stellwag erläuterte die Notwendigkeit des Ausbaus: „In der Wiesenstraße gibt es viele Beschwerden über Staub, Pfützen und Wasser auf den Grundstücken“, erklärte er. Das regelmäßige Schottern des Weges sei keine dauerhafte Lösung, da es jährlich Kosten von 20.000 Euro verursache – mit steigender Tendenz – und die Probleme der Anwohner dennoch nicht behoben seien.
Um die finanzielle Belastung für die Bürger so gering wie möglich zu halten, plant die Stadt verschiedene Maßnahmen:
- Verzicht auf Regenleitungen zugunsten von Regenmulden
- Schmale Straßengestaltung mit Ausweichstellen
- Nur an der Zufahrt von der Liepgartener Straße eine breitere Ausführung für zwei Pkw
- Anschluss aller Grundstückszufahrten
- Bau eines Wendehammers am Ende der Straße
Der alte Schotter muss entfernt und durch Asphalt ersetzt werden. „Die Straße soll 35 Jahre halten“, so Bröcker-Stellwag. Der Ausbau könnte im Jahr 2027 erfolgen.
Unterschiedliche Situation beim Burgsteig
Während die Anwohner der Wiesenstraße mit erheblichen Kosten rechnen müssen, sieht die Situation beim ebenfalls geplanten Ausbau des Burgsteigs deutlich günstiger aus. Da diese Straße in der Vergangenheit bereits ausgebaut wurde, fallen hier keine Straßenausbaukosten für die Anlieger an.
Beim Burgsteig laufe die Regenentwässerung noch über Privatgrundstücke, berichtete der Bauamtsmitarbeiter. Geplant sei unter anderem, wegen der engen Straße die hohen Borde wegzulassen. Die Kosten für diese Maßnahmen belaufen sich auf etwa 571.000 Euro. Nach einem geplanten Anwohnergespräch könnte der Ausbau bereits im Sommer beginnen.
Die unterschiedliche Behandlung der beiden Straßenprojekte verdeutlicht die Komplexität kommunaler Bauvorhaben und die rechtlichen Rahmenbedingungen, die bei Ersterschließungen besonders hohe finanzielle Belastungen für Anwohner vorsehen können.



