Russisches Militärgericht verhärtet Urteil gegen ehemaligen Vizeverteidigungsminister
In einem aufsehenerregenden Prozess hat ein russisches Militärgericht in Moskau den früheren stellvertretenden Verteidigungsminister Pawel Popow zu 19 Jahren Haft in einer Strafkolonie für Schwerverbrecher verurteilt. Das Urteil fiel am 10. April 2026 und markiert einen weiteren Höhepunkt in der Korruptionsbekämpfung innerhalb der russischen Militärführung.
Korruptionsvorwürfe und hohe Geldstrafe
Laut den Richtern soll Popow 25 Millionen Rubel veruntreut haben, was einem Gegenwert von etwa 280.000 Euro entspricht. Neben der langjährigen Haftstrafe verhängte das Gericht zusätzlich eine Geldstrafe in Höhe von umgerechnet etwa 940.000 Euro. Zudem darf der ehemalige Spitzengeneral sieben Jahre lang keine Ämter in staatlichen Organen mehr ausüben. Diese Informationen wurden durch die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass verbreitet.
Hintergrund der Verurteilung und politische Zusammenhänge
Der Fall Popow steht im Kontext umfassender Personalwechsel im russischen Verteidigungsministerium im Jahr 2024. Der Kreml hatte damals zahlreiche ranghohe Militärs ausgewechselt, nachdem Korruptionsverdachte aufgekommen waren. Diese Maßnahmen folgten auf militärische Rückschläge Russlands im Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Popow, der als enger Vertrauter des ehemaligen Verteidigungsministers Sergej Schoigu galt, wurde 2024 entlassen, verlor seinen militärischen Rang sowie alle staatlichen Auszeichnungen. Bereits einen Monat zuvor hatte Schoigu selbst seinen Posten abgeben müssen. Der Kreml wies wiederholt zurück, dass es sich bei diesen Vorgängen um eine gezielte Säuberungskampagne handele.
Karriere und internationale Sanktionen
Pawel Popow hatte 2013 das Amt des Vizeverteidigungsministers übernommen und war seit den Neunzigerjahren mit Schoigu verbunden, zunächst im Katastrophenschutz, später im Verteidigungsministerium. Im Jahr 2020 wurde er nach dem Giftanschlag auf den Kremlkritiker Alexej Nawalny mit EU-Sanktionen belegt.
In seiner Funktion beaufsichtigte Popow Forschungen in militärischen Einrichtungen und trat öffentlich mit Kritik an Polen und Bulgarien in Erscheinung, als dort sowjetische Denkmäler entfernt wurden. Sergej Schoigu, der als enger Vertrauter von Kremlchef Wladimir Putin gilt, übt weiterhin Einfluss als Sekretär des nationalen Sicherheitsrates aus.
Prozessverlauf und Berufungsankündigung
Der 69-jährige Popow wurde 2024 festgenommen und bestritt während des gesamten Prozesses die gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfe. Sein Anwalt verwies zudem auf den "angeschlagenen Gesundheitszustand" seines Mandanten und kündigte an, Berufung gegen das Urteil einlegen zu wollen. Popow nahm per Videoübertragung an der Urteilsverkündung teil.
Dieser Fall unterstreicht die anhaltenden Spannungen und Machtkämpfe innerhalb der russischen Elite, insbesondere im Umfeld des Verteidigungsministeriums. Die Verurteilung eines so hochrangigen Militärs zu einer langen Haftstrafe sendet ein deutliches Signal in Bezug auf die Korruptionsbekämpfung, auch wenn politische Motive nicht ausgeschlossen werden können.



