In vielen deutschen Familien beginnen derzeit Gespräche, die über Jahrzehnte hinweg vermieden wurden. Das US-Nationalarchiv hat im März mehr als zehn Millionen digitalisierte Mitgliederkarten der NSDAP online gestellt. Seitdem verzeichnet die Seite über eine Million Aufrufe. Die Menschen suchen in diesen Dokumenten nach ihren Angehörigen und vergleichen die überlieferten Erzählungen ihrer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern mit den Karten. Familiengeschichten, die über Generationen weitergegeben wurden und Identitäten prägten, bekommen nun Risse.
Die Macht der Anekdoten
Oft sind es harmlose Anekdoten, die in vielen Familien über Jahrzehnte überlebten. In diesen Geschichten geht es selten um Deportationen oder Konzentrationslager, häufig fällt nicht einmal ein Schuss. Es sind leichte, manchmal fast heitere Mythen oder mutige Heldengeschichten. Da ist der Großvater, der in französischer Kriegsgefangenschaft zu viel Wein trank und Französisch lernte. Der Großvater als Wirt in Berlin, der keine Nazis bediente und heimlich jüdische Nachbarn versteckt haben will. Oder der Großvater, der behauptete, nie in die Partei eingetreten zu sein.
Ein SPIEGEL-Buch zum Thema
Susanne Beyer hat mit „Kornblumenblau“ ein SPIEGEL-Buch veröffentlicht: „Der geheimnisvolle Tod meines Großvaters 1945 und die Frage, was er mit den Nazis zu tun hatte“. Es erscheint im Verlag Deutsche Verlags-Anstalt, umfasst 240 Seiten und ist für 22,00 Euro erhältlich. Die Preisabfrage erfolgte am 25.04.2026 um 11.54 Uhr, ohne Gewähr. Das Buch kann im SPIEGEL Shop, bei Amazon, Thalia, Genialokal, Hugendubel oder medimops bestellt werden. Produktbesprechungen erfolgen rein redaktionell und unabhängig. Über Affiliate-Links erhalten wir beim Kauf in der Regel eine Provision vom Händler.
Der SPIEGEL sammelt Ihre Geschichten
Was hat Ihr Großvater Ihnen erzählt? Was wissen Sie heute über ihn? Was macht das mit Ihrer Familie? Schreiben Sie uns Ihre wichtigste Familiengeschichte – die Anekdote, die immer wieder erzählt wurde, das Bild, der Satz, an dem Sie immer festgehalten haben. Senden Sie Ihre Zuschrift an: MeinGrossvater.Reporter@spiegel.de. Bitte geben Sie Ihre Kontaktdaten an, damit wir uns bei Ihnen melden können. Wir freuen uns auf Ihre Geschichten.



