Iran vollstreckt weiteres Todesurteil nach blutigen Januar-Protesten
Die iranische Justiz hat im Rahmen einer anhaltenden Hinrichtungswelle ein weiteres Todesurteil im Zusammenhang mit den Massenprotesten Anfang Januar vollstreckt. Ein Mann wurde laut der mit der Justiz verbundenen Nachrichtenagentur Misan im Morgengrauen hingerichtet. Ihm wurde vorgeworfen, während der Aufstände eine Moschee im Teheraner Stadtteil Gholhak in Brand gesetzt zu haben.
Systematische Hinrichtungen als politisches Instrument
Bereits am Montag waren zwei Männer nach Spionagevorwürfen exekutiert worden. Die Justiz beschuldigte sie, für den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad spioniert zu haben. Menschenrechtler widersprachen dieser Darstellung und bezeichneten die Hingerichteten als politische Gefangene, die der oppositionellen Volksmudschahedin angehört haben sollen.
Die Organisation Iran Human Rights verurteilte die jüngsten Hinrichtungen aufs Schärfste. Bei den Protesten im Januar sollen nach Angaben von Menschenrechtsgruppen bis zu 30.000 Menschen ums Leben gekommen sein, wobei sich diese Zahlen unabhängig nicht überprüfen lassen.
Rekordzahl an Hinrichtungen im Jahr 2025
Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Jahren die rigorose Anwendung der Todesstrafe im Iran und werfen den Behörden vor, Hinrichtungen systematisch als Mittel der Einschüchterung zu nutzen. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben von Iran Human Rights mindestens 1.639 Menschen hingerichtet – so viele wie seit 35 Jahren nicht mehr.
Allein im Zusammenhang mit den jüngsten Protesten wurden mindestens neun Menschen exekutiert. Der iranische Sicherheitsapparat hatte die Massenproteste Anfang des Jahres mit brutaler Gewalt niedergeschlagen.
Diplomatische Spannungen und ungewisse Zukunft
Während die Hinrichtungswelle anhält, hoffen viele Menschen im 87-Millionen-Einwohner-Land auf eine Fortsetzung der Verhandlungen mit den USA. Die zweiwöchige Waffenruhe im Krieg läuft bald ab, doch es bleibt unklar, ob die diplomatischen Bemühungen fortgesetzt werden.
Die USA bereiten offenbar eine neue Verhandlungsrunde vor, während der Iran seine Teilnahme bislang offengelassen hat. Zugleich verschärft US-Präsident Donald Trump den Ton und stellt eine Verlängerung der Feuerpause infrage. Beide Seiten werfen sich gegenseitig Verstöße gegen die Waffenruhe vor.
Teheran kritisiert unter anderem Angriffe auf ein iranisches Schiff sowie die anhaltende Blockade seiner Häfen. Zudem verweist die iranische Führung auf die angespannte Lage im Libanon, wo es trotz Waffenruhe zu weiteren Gefechten mit Israel kommt.



