Internationale Kampagne verlangt Lebenszeichen von Aung San Suu Kyi
Mit zunehmender Besorgnis um das Schicksal der inhaftierten Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi haben Aktivisten in Myanmar eine weltweite Kampagne gestartet. Die Initiative unter dem Namen „Proof of Life“ fordert von der Militärjunta einen eindeutigen Beleg dafür, dass die entmachtete frühere Regierungschefin im Alter von 80 Jahren noch am Leben ist. Die Kampagne findet breite Unterstützung im Internet, wo zahlreiche Nutzer die Forderungen verbreiten.
Unterstützung durch den Sohn und Menschenrechtsgruppen
Die Menschenrechtsgruppe „All in One Piece“-Bewegung hat die Kampagne ins Leben gerufen. Sie wird aktiv von Suu Kyis Sohn Kim Aris unterstützt, der die Militärführung in Myanmar seit Monaten öffentlich auffordert, Informationen über den Zustand seiner Mutter preiszugeben. Die frühere Freiheitsikone ist seit Jahren weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten und verbringt ihre Haft unter unklaren Bedingungen.
Kim Aris äußerte sich in den vergangenen Tagen gegenüber dem Nachrichtenportal „Democratic Voice of Burma“ (DVB) und korrigierte dabei eine verbreitete Fehlannahme: „Die Öffentlichkeit glaubt oft, sie stehe noch immer unter Hausarrest, dabei hat sie die ganze Zeit im Gefängnis verbracht“, erklärte er. Bereits im September hatte er in einem Video von „sich verschlimmernden Herzkomplikationen“ seiner Mutter berichtet und betont, dass niemand wisse, ob sich angemessen um sie gekümmert werde.
Gesundheitszustand und Haftbedingungen im Unklaren
Aung San Suu Kyi wurde im Zuge des Militärputschs vom Februar 2021 festgenommen und später wegen angeblicher Vergehen zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Wie ihre genauen Haftbedingungen aussehen und wie es um ihre Gesundheit bestellt ist, bleibt jedoch völlig unklar. Ihr Sohn bezeichnete das Vorgehen der Militärs als „grausam, lebensbedrohlich und inakzeptabel“.
Die Friedensnobelpreisträgerin hatte in der Vergangenheit bereits rund 15 Jahre unter Hausarrest in ihrer Villa in Yangon verbracht. Während dieser Zeit war sie international als Symbol des gewaltfreien Widerstands gegen die Militärdiktatur bekannt, obwohl sie stark isoliert lebte.
Massenamnestie ohne Begnadigung von Suu Kyi
Kürzlich hatten die Behörden in Myanmar anlässlich des Neujahrsfestes Tausende Gefangene freigelassen, darunter überraschend den früheren Präsidenten Win Myint. Zunächst gab es Spekulationen, dass auch Aung San Suu Kyi in die Begnadigungen einbezogen werden könnte. Statt einer Freilassung wurde jedoch lediglich ihre Haftstrafe um wenige Jahre reduziert, während sie weiterhin inhaftiert bleibt.
Sozialer Druck als Strategie der Kampagne
Die „Proof of Life“-Kampagne setzt vor allem auf sozialen Druck, um ihre Ziele zu erreichen. Unterstützer werden aufgefordert, die Forderungen in sozialen Netzwerken zu verbreiten und Regierungen weltweit dazu zu bewegen, die Junta zu mehr Transparenz zu drängen. Prominente und Politiker beteiligen sich ebenfalls an der Initiative. Der bekannte Schauspieler Khar Ra veröffentlichte beispielsweise ein Video, in dem er die entscheidende Frage stellt: „Wo ist Aung San Suu Kyi? Lebt sie noch?“
Die Kampagne verdeutlicht die anhaltende internationale Besorgnis um das Schicksal einer der bekanntesten politischen Gefangenen der Welt und unterstreicht die Forderung nach menschenwürdiger Behandlung und Transparenz seitens der Militärregierung in Myanmar.



