85-jährige Französin aus US-Abschiebehaft entlassen: ICE-Festnahme löst diplomatische Spannungen aus
85-jährige Französin aus US-Abschiebehaft entlassen

85-jährige Französin nach ICE-Festnahme aus US-Abschiebehaft entlassen

Nach 16 Tagen in Haft ist eine 85-jährige französische Witwe aus der US-Einwanderungshaft entlassen und nach Frankreich zurückgekehrt. Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot bestätigte die Freilassung und äußerte scharfe Kritik an den Methoden der US-Einwanderungsbehörde ICE.

Diplomatische Verstimmungen zwischen Frankreich und den USA

"Sie ist heute Morgen nach Frankreich zurückgekehrt, das ist für uns eine Erleichterung", erklärte Barrot in einer offiziellen Stellungnahme. Der Minister fügte hinzu, dass er sich zwar nicht zu Einzelfällen äußern könne, jedoch einige Vorgehensweisen der ICE-Behörde "nicht im Einklang" mit französischen Standards stünden und als "nicht akzeptabel" zu bewerten seien. Barrot sprach von "Gewalt, die uns Anlass zur Sorge gab" und deutete damit auf erhebliche diplomatische Spannungen hin.

Harte Haftbedingungen für die Seniorin

Marie-Thérèse Ross war am 1. April 2026 von ICE-Mitarbeitern festgenommen und in ein Abschiebezentrum in Louisiana gebracht worden. Ihr Sohn berichtete der französischen Regionalzeitung Ouest-France, dass seine Mutter an Händen und Füßen gefesselt und "wie eine gefährliche Kriminelle" behandelt worden sei. Die 85-Jährige blieb demnach mehrere Tage ohne Kontakt zur Außenwelt, erst am 8. April erhielt ein Mitarbeiter des französischen Generalkonsulats Zugang zu ihr.

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Die gesundheitliche Situation der Frau gab besonderen Anlass zur Sorge: Sie leidet unter Herzproblemen und starken Rückenschmerzen, was die Haftbedingungen zusätzlich erschwerte. Die Behandlung der Seniorin löste in Frankreich Empörung aus und führte zu diplomatischen Interventionen auf höchster Ebene.

Eine späte Liebesgeschichte mit tragischem Ausgang

Die Geschichte von Marie-Thérèse Ross liest sich wie ein Roman: Im vergangenen Jahr hatte die Französin ihre Jugendliebe Billy Ross geheiratet und war mit ihm nach Anniston im US-Bundesstaat Alabama gezogen. Das Paar hatte sich bereits Ende der Fünfzigerjahre kennengelernt, als Marie-Thérèse als Sekretärin auf einem Nato-Stützpunkt in der Nähe von Saint-Nazaire arbeitete und Billy als US-Soldat stationiert war.

Mitte der Sechzigerjahre musste Billy in sein Heimatland zurückkehren, beide heirateten andere Partner und bekamen Kinder. Doch die Liebe überdauerte die Jahrzehnte: 2010 nahm Marie-Thérèse über soziale Netzwerke Kontakt zu Billy auf, der sich inzwischen zum Oberst und Hubschrauberpiloten in der US-Armee hochgearbeitet hatte.

Ende 2022, als beide seit einigen Monaten verwitwet waren, nahmen sie ihre Beziehung wieder auf. 2025 heirateten sie schließlich und lebten gemeinsam in den Vereinigten Staaten. Doch nach dem Tod ihres Mannes im Januar 2026 begannen die aufenthaltsrechtlichen Probleme für Marie-Thérèse, da sie über kein dauerhaftes Visum für die Vereinigten Staaten verfügte.

Folgen für die deutsch-amerikanischen Beziehungen

Der Fall hat internationale Wellen geschlagen und wirft Fragen zur Behandlung älterer Ausländer in Einwanderungsverfahren auf. Die Kritik des französischen Außenministers an den "nicht akzeptablen" Praktiken der ICE-Behörde deutet auf anhaltende Spannungen in den transatlantischen Beziehungen hin. Menschenrechtsorganisationen fordern eine Überprüfung der Haftbedingungen für vulnerable Personengruppen in Einwanderungshaft.

Für Marie-Thérèse Ross endete die Odyssee mit der Rückkehr in ihre französische Heimat, doch die Erinnerungen an die traumatischen Hafterfahrungen werden bleiben. Der Fall zeigt, wie brüchig Aufenthaltsrechte sein können und welche humanitären Konsequenzen eine rigide Einwanderungspolitik haben kann.

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