Iranisches Ehepaar in Neubrandenburg bangt um Familie im Heimatland
Im Dezember 2018 verabschiedeten sich Kimiya und Hadi Naghiee von ihrer Familie in Teheran. Ein Abschied, der bis heute anhält. Seit über fünf Jahren leben die beiden in Neubrandenburg, doch ihre Gedanken kreisen ständig um die Angehörigen im Iran. Die Flucht aus ihrer Heimat war für das Ehepaar unausweichlich, nachdem sie ihren Glauben gewechselt hatten und dadurch in Lebensgefahr gerieten.
Flucht nach Glaubenswechsel
Kimiya und Hadi Naghiee wurden im Iran als Muslime geboren. Im Jahr 2018 konvertierten sie gemeinsam zum Christentum. Diese Entscheidung veränderte ihr Leben grundlegend. Hadi Naghiee schildert: „Nach unserem Glaubenswechsel wurde das Leben zunehmend schwieriger. Wir hatten das Gefühl, unter diesen Umständen nicht länger im Iran bleiben zu können.“ Die öffentliche Darstellung dieses Schrittes auf Instagram verstärkte die Bedrohung durch Religionshüter und zwang sie zur Flucht.
Über die Türkei und Griechenland gelangten sie schließlich nach Deutschland. Seit drei Jahren haben sie in Neubrandenburg eine neue Heimat gefunden. Hier schätzen sie die Freiheit, ihre Meinung äußern zu können und ohne Zwang zu leben. Kimiya Naghiee erinnert sich an die Unterdrückung im Iran: „Allein der Zwang, in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen zu müssen, war für mich eine Qual. Frauen sehen sich im Iran mit vielen Einschränkungen konfrontiert.“
Angst um die Familie im Iran
Aktuell beschäftigt das Ehepaar der Irankrieg und die politische Situation in ihrer Heimat zutiefst. Hadi Naghiee berichtet von den Protesten: „Wer damals auf die Straße ging, dem drohte der Tod. Tausende Bürger sollen von den Revolutionsgarden ermordet worden sein.“ Diese Ereignisse verstärken die Sorge um ihre Familie, die noch immer im Iran lebt.
Die Kommunikation mit den Angehörigen gestaltet sich äußerst schwierig. Jedes Wort muss sorgfältig abgewogen werden, um keine Gefahr zu provozieren. Kimiya Naghiee erklärt: „Wir unterhalten uns nur über alltägliche Dinge. Themen wie Politik oder das Mullah-Regime sind absolut tabu. Im Grunde frage ich am Telefon meist nur: Hallo, wie geht es euch?“ Die ständige Angst, dass Gespräche abgehört und ihre Familie bestraft werden könnte, belastet das Ehepaar schwer.
Hoffnung auf Veränderung
Für Kimiya und Hadi Naghiee steht fest: Eine Rückkehr in den Iran kommt nur infrage, wenn das Mullah-Regime gestürzt wird. Sie träumen von einem freien Iran, in dem Frauen nicht mehr erniedrigt werden und Menschen ihre Religion frei wählen können. Kimiya Naghiee äußert ihre Hoffnung: „Der Iran ist ein Land mit einer mehrere tausend Jahre alten Geschichte und einer großen Zivilisation. Wir hoffen, dass unser Land eines Tages, wenn sich die politischen Verhältnisse ändern, wieder zu seiner historischen Stärke und kulturellen Bedeutung zurückfinden kann.“
Bis dahin bleiben sie in Neubrandenburg, wo sie Sicherheit und Freiheit gefunden haben, doch mit dem Herzen stets bei ihrer Familie und ihrem Heimatland. Die Ungewissheit und die Sorge um die Lieben im Iran begleiten sie täglich und prägen ihr Leben in der neuen Heimat.



