Lieber Gott, wo stehst du eigentlich politisch? Klar, du wirst nicht antworten. Das ist nicht deine Art. Ich habe den Verdacht, dass dich Politik gar nicht interessiert. Du stehst über diesem Kleinkram, so kann man es vielleicht ausdrücken.
Die Frage nach deiner politischen Haltung
Ich frage, weil in unserem Land gerade wieder Katholikentag ist. In Würzburg. Bist du überhaupt katholisch? Ich vermute, auch das ist eine blöde Frage.
Seit die Menschheit sich für dich interessiert, tun alle möglichen Leute so, als stündest du ganz speziell auf ihrer Seite. Die Kaiser, die Könige, die Regierungen, die eine Partei, die andere Partei, große Kirchen, kleine Sekten, Unterdrücker und Unterdrückte, Gute und Böse – fast alle haben so getan, als hätten sie einen speziellen Draht zu dir oder seien sogar dein Werkzeug. Ich finde das lächerlich.
Du schließt niemanden aus
Über einen reuigen Sünder heißt es im Lukas-Evangelium, herrscht bei dir größere Freude als über 999 Gerechte. Du bist nicht nachtragend. Du schließt keinen aus. Du magst nicht die einen mehr als die anderen. Es ist dir völlig egal, ob zur Eröffnung des Kirchentags der Bundespräsident spricht. Du würdest als Sprecher auch eine Drogendealerin akzeptieren oder einen verurteilten Mörder, der bereut. Das würde auch ich gut finden.
Menschen, die glauben, du stündest exklusiv auf ihrer Seite und du seist gegen irgendwen, haben dich als Idee nicht verstanden. Dein Harald Martenstein



