In der ARD-Sendung „Arena“ sorgte eine Diskussion über Reichtum für Aufsehen. Moderator Louis Klamroth löste mit seiner Aussage, dass jemand, der den Spitzensteuersatz zahlt, für ihn reich sei, eine heftige Reaktion von CSU-Chef Markus Söder aus. Die Debatte zeigt, wie subjektiv der Begriff „reich“ ist und wie sehr die Perspektive die Wahrnehmung beeinflusst.
Der Auslöser der Debatte
Eigentlich sollte es in der Sendung um Ungleichheit in Deutschland gehen. Laut einer Infratest-Umfrage sind vier von fünf Befragten überzeugt, dass der Wohlstand ungerecht verteilt ist. Klamroth konfrontierte Söder mit diesen Zahlen. Söder räumte ein, dass Reiche mehr zahlen, bezeichnete die Ungerechtigkeit jedoch als bloßes Empfinden. Dann lenkte Klamroth das Gespräch auf die Frage, wer überhaupt als reich gilt. Er sagte, für ihn seien Menschen reich, die den Spitzensteuersatz zahlen. Söder schaltete sofort in den Angriffsmodus und fragte, ob ein Facharbeiter, Mittelständler oder Handwerksmeister für Klamroth schon reich sei. „Keiner von denen verdient nur annähernd so viel wie Sie“, konterte Söder. Klamroth gab kleinlaut zu: „Wahrscheinlich haben Sie recht.“
Die Rolle der Medien
Die Diskussion verlagerte sich schnell auf das Gehalt des Moderators. Klamroth gilt als eines der Lieblingsziele konservativer und rechter Kreise im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die „Bild“-Zeitung und X-Nutzer griffen das Thema auf. Dabei geriet die eigentliche Frage nach der Ungleichheit aus dem Blick.
Was sagt die Statistik?
Es gibt keine offizielle Definition von Reichtum. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hat ermittelt, dass Singles ab einem monatlichen Nettoeinkommen von 5.780 Euro als einkommensreich gelten. Das sind nur etwa vier Prozent der Bevölkerung. Die Deutschen selbst schätzen den Anteil der Reichen auf 25 Prozent – ein deutlicher Hinweis auf die verzerrte Wahrnehmung.
Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent wird ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von rund 70.000 Euro fällig. Das ist nicht das Bruttogehalt, sondern der Betrag nach Abzügen. Tatsächlich liegt die Schwelle heute inflationsbereinigt eher bei 80.000 bis 85.000 Euro. Die CDU, Söders Schwesterpartei, fordert eine Anhebung auf 85.000 Euro. Wer den Spitzensteuersatz zahlt, hat netto etwa 4.300 Euro im Monat – immer noch deutlich weniger als die 5.780 Euro, ab denen man laut IW als reich gilt.
Die Perspektive der Wissenschaft
Die Ökonomin Charlotte Bartels von der Universität Leipzig verweist auf eine Studie aus dem Jahr 2019. Demnach gehört man mit einem Jahreseinkommen vor Steuern von etwa 70.000 Euro zu den Top Ten Prozent. In Söders Logik wären das also auch Facharbeiter und Handwerksmeister. Der Reichensteuersatz von 45 Prozent betrifft weniger als ein Prozent der Bevölkerung.
Fazit
Die Debatte zeigt, wie schwer es ist, Reichtum objektiv zu definieren. Letztlich ist es eine Frage der Perspektive. Wer vom Bürgergeld lebt, empfindet vielleicht schon einen Spitzensteuerzahler als reich. Wer selbst in dieser Einkommensklasse liegt, sieht eher Millionäre als reich an. Die Diskussion in der „Arena“ verlor sich leider in persönlichen Angriffen, anstatt über Lösungen für die empfundene Ungerechtigkeit zu sprechen. Dabei wäre das dringend nötig.



