Sigmund Freud: 170. Geburtstag und die Frage nach seiner Aktualität
Sigmund Freud: 170. Geburtstag und Aktualität

Am 6. Mai 2026 jährt sich der Geburtstag von Sigmund Freud zum 170. Mal. Der Begründer der Psychoanalyse wurde 1856 in Freiberg (heute Příbor) geboren und verbrachte den Großteil seines Lebens in Wien. Erst die Nationalsozialisten zwangen ihn, hochbetagt ins Exil nach London zu gehen. Das Wien der Jahrhundertwende, eine Stadt im Umbruch, war der Nährboden für seine revolutionären Ideen. Mit seinen Theorien setzte Freud einen gedanklichen Vorschlaghammer an die überkommenen Weltbilder an. Seine vielleicht radikalste These: Wir sind nicht Herr im eigenen Haus, sondern werden von unserem Unbewussten gelenkt.

Freuds Erbe: Zwischen Verehrung und Verdammung

Begriffe wie Libido, Trieb, Über-Ich, Penisneid oder Ödipuskomplex prägen bis heute unser Denken über uns selbst und die Gesellschaft. In sozialen Netzwerken wird Freud jedoch oft als „alter, weißer Mann“ abgestempelt, seine Theorien gelten vielen als misogyn, narzisstisch und überholt. Dennoch bilden sie die Grundlage moderner Psychotherapie, haben Generationen von Denkern beeinflusst und tiefe Spuren in Medizin, Geistes- und Sozialwissenschaften hinterlassen.

Neue Podcastserie: „Der Fall Freud“

Diese Spannung zwischen Verehrung und Ablehnung nimmt die Redaktion zum Anlass für eine neue Podcastreihe. In „Der Fall Freud“ wird der Frage nachgegangen, ob Freud uns heute noch helfen kann, uns selbst besser zu verstehen, oder ob er uns mit seinen Ideen in die Irre geführt hat. Dafür sprachen die Macher mit Historikern, Psychoanalytikerinnen und Wissenschaftsjournalisten, ließen Psychotherapeuten Träume deuten und legten sich selbst bei Hypnotiseuren auf die Couch. Die erste Folge ist ab sofort verfügbar, Abonnenten von SPIEGEL und „Standard“ hören die Episoden jeweils eine Woche früher.

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Innenpolitisches Thema: Rechtsextremisten im Parlament

Ein weiteres wichtiges Thema der Woche: Bis zu zwanzig mutmaßliche Rechtsextremisten haben ständigen Zugang zum Nationalrat. Sie sind als Parlamentarische Mitarbeiter (Pamis) von der FPÖ engagiert und sollen der „Identitären Bewegung“ nahestehen. Der Verfassungsschutz DSN stuft diese Gruppierung als zentrales Sammelbecken der Neuen Rechten ein, die die Überwindung der demokratischen und rechtsstaatlichen Ordnung anstrebt. Seit Herbert Kickl die FPÖ führt, grenzt sich die Partei nicht mehr von den Identitären ab, sondern pries sie als „NGO“ und übernahm die Kampfvokabel „Remigration“. Die Identitären können das Parlamentsgebäude und andere sensible Bereiche ohne Kontrolle betreten, da Pamis im Gegensatz zu Reinigungskräften oder Kantinenpersonal keine Sicherheitsüberprüfung durchlaufen müssen. Im Gegensatz dazu verweigerte die Verwaltung des Bundestages sieben Mitarbeitern der AfD die Hausausweise, weil sie einschlägig aufgefallen waren. Die Sicherheitslücke in Österreich dürfte vorerst nicht geschlossen werden, da die FPÖ nicht nur die meisten Abgeordneten stellt, sondern auch den Nationalratspräsidenten Walter Rosenkranz, der die Identitären 2019 als „erfrischend“ bezeichnet hatte.

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