Heereschef: „Wir müssen künftig anders kämpfen“
Heereschef: Künftig anders kämpfen

Die deutschen Landstreitkräfte ziehen grundlegende Schlüsse aus der veränderten Kriegsführung. Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, betont: „Durch Transparenz des Gefechtsfeldes, technologischen Fortschritt und Automatisierung der Waffen entstehen neue Möglichkeiten, auch über weite Entfernung präzise zu wirken.“

Lehr- und Versuchsübung in Munster

Auf dem Truppenübungsplatz Munster in Niedersachsen sammelt die Bundeswehr derzeit Erfahrungen mit einer Übung namens „Wie das Heer kämpfen wird“. Am Donnerstag wird auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erwartet, um sich über die neuen Erkenntnisse zu informieren.

Keine geschützten Räume mehr

Freuding erklärte, dass es im modernen Kampf „keine geschützten Räume mehr“ gebe. Dies habe revolutionäre Folgen für die Landstreitkräfte. „Massierung, also das gezielte Zusammenziehen und Konzentrieren von Truppe und Waffenwirkung an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit, war über Jahrhunderte die Voraussetzung für eine solche Schwerpunktbildung. Diese Massierung wird heute zum inhärenten Vernichtungsrisiko“, so Freuding. Die Soldaten müssten künftig aufgelockert in der Fläche verteilt oder vereinzelt agieren und nur ausnahmsweise massiert auftreten.

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Das neue Kriegsbild

Russland setzte im vergangenen Jahr gegen die Ukraine schätzungsweise bis zu 300.000 Kleindrohnen und rund 100.000 Kamikazedrohnen ein. Um dagegen durchhaltefähig zu sein, benötigt die Bundeswehr günstige Abwehrwaffen. Die rund vier Millionen Euro teuren Patriot-Lenkflugkörper sind keine geeignete Antwort auf preiswerte Drohnen wie die Shahed, die etwa 25.000 Euro pro Stück kosten.

Datenfluss und KI-Waffen

Der Datenfluss aus Beobachtungssystemen und der Einsatz von KI-Waffen erhöhen das Tempo im Gefecht enorm. Deutsche Militärs haben in ukrainischen Gefechtsständen beobachtet, wie Informationen im Sekundentakt eintreffen, ausgewertet und für die Bekämpfung des Gegners genutzt werden. Die Bundeswehr und die deutsche Rüstungsindustrie haben bei unbemannten und autonomen Waffensystemen Aufholbedarf, da es lange politische Bedenken gab.

Russlands Aufrüstung

Russland plant, seine Streitkräfte auf 1,5 Millionen aktive Soldaten zu vergrößern, was noch in diesem Jahr erreicht werden soll. Westliche Militärexperten erwarten, dass Russland nach einem möglichen Ende des Ukraine-Kriegs innerhalb von zwei Jahren über mehr als 20 Divisionen in den westlichen Militärbezirken verfügen könnte. Eine russische Division zählt 10.000 bis 20.000 Soldaten. Das deutsche Feldheer besteht derzeit aus drei Divisionen mit jeweils rund 20.000 Soldaten, die im Bündnisfall mit Nato-Partnern kämpfen würden.

Schutzschirm als zentrale Fähigkeit

Um unter den veränderten Bedingungen beweglich und handlungsfähig zu bleiben, ist ein Schutzschirm aus Tarnung, Sensoren, Warnmitteln und eigenen Waffensystemen nötig. Die Bundeswehr und ein möglicher Gegner werden um den Aufbau und Erhalt ihrer Schutzschirme ringen. Russland wird dabei besondere Fähigkeiten im elektronischen Kampf bescheinigt, während die Bundeswehr dieses Feld vernachlässigt hat. Die Digitalisierung der Kommunikation ist ein laufendes Milliardenprojekt, das jedoch mit Verzögerungen und technischen Schwierigkeiten kämpft.

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