Pistorius: Deutschland trägt besondere Verantwortung für Europas Sicherheit
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat auf der Hannover Messe deutlich gemacht, dass Deutschland seiner Ansicht nach deutlich mehr für die europäische Sicherheit tun muss. Der SPD-Politiker betonte in seiner Rede auf der weltgrößten Industrieschau die besondere Verantwortung der Bundesrepublik. „Aufgrund unserer Größe, unserer Wirtschaftskraft und unserer geostrategischen Rolle steht Deutschland in der Pflicht, wesentlich mehr zu leisten als bisher – und das nicht nur für unsere eigene Sicherheit, sondern für die Sicherheit des gesamten europäischen Kontinents“, erklärte Pistorius vor versammeltem Fachpublikum.
Wirtschaft und Sicherheit als untrennbare Einheit
Der Minister unterstrich die enge Verknüpfung von wirtschaftlicher Stärke und nationaler Sicherheit. „Ohne stabile Sicherheitsverhältnisse kann es keine florierende Wirtschaft geben, und ohne wirtschaftliche Potenz ist wiederum keine verlässliche Sicherheit möglich“, so Pistorius. Eine leistungsfähige Industrie sei daher eine zwingende Voraussetzung für den Schutz von Demokratie und Freiheit in Europa.
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine vor über vier Jahren habe sich das Sicherheitsverständnis in Deutschland grundlegend gewandelt. „Sicherheitsfragen sind heute kein Nischenthema mehr, sondern betreffen alle gesellschaftlichen Bereiche“, stellte der Verteidigungsminister fest. Die Wirtschaft spüre geopolitische Bedrohungen und Risiken unmittelbar, wie die aktuellen Konflikte im Iran und in der Straße von Hormus deutlich zeigten.
Deutschland bei Innovationen zu langsam
Pistorius kritisierte in seiner Ansprache die mangelnde Geschwindigkeit bei der Umsetzung von Innovationen in Deutschland. „Gerade im Verteidigungssektor können wir es uns angesichts des rasanten Wandels nicht leisten, dass zwischen einem funktionierenden Prototyp und der Serienproduktion Jahre vergehen“, mahnte der Minister. In einer Welt, in der sich Bedrohungslagen innerhalb von Tagen statt Jahren entwickelten, sei Tempo keine optionale Zusatzleistung, sondern eine existenzielle Notwendigkeit für die nationale Sicherheit.
Als konkretes Beispiel nannte Pistorius die Entwicklung von Drohnentechnologien. Die ukrainischen Partner berichteten mittlerweile von Innovationszyklen von nur sechs bis zwölf Wochen. „Die ehrliche Antwort lautet: Wir sind in Deutschland häufig noch nicht effektiv genug und arbeiten nicht im erforderlichen zeitgemäßen Tempo“, räumte der Verteidigungsminister selbstkritisch ein.
Rüstungsindustrie erstmals mit eigenem Schwerpunkt auf der Messe
Erstmals in der Geschichte der Hannover Messe ist das Thema Rüstung in diesem Jahr mit einem eigenen Ausstellungsbereich vertreten. Im sogenannten Defense Production Park präsentieren etwa 40 Unternehmen auf einer Fläche von 1.200 Quadratmetern Lösungen für den beschleunigten Aufbau der Rüstungsproduktion. Zu den erwarteten Teilnehmern gehören unter anderem Rheinmetall-Chef Armin Papperger und Airbus-Defence-Manager Michael Schöllhorn.
Für die Deutsche Messe AG stellt der neue Schwerpunkt gleichzeitig einen Vorgeschmack auf die Sicherheits- und Verteidigungsmesse Defence & Security Equipment International Germany dar, die im März 2027 erstmals in Hannover ausgerichtet werden soll. Die Präsenz eines Bundesverteidigungsministers auf der traditionellen Industrieschau unterstreicht die wachsende Bedeutung sicherheitspolitischer Fragen für die deutsche Wirtschaft.
Pistorius betonte abschließend, dass die Hannover Messe mit ihrem neuen Fokus auf Verteidigungstechnologien einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der europäischen Sicherheitsarchitektur leiste. Die enge Verzahnung von industrieller Innovationskraft und verteidigungspolitischen Erfordernissen werde für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands und Europas entscheidend sein.



