Pete Hegseth: Skandale und Fehltritte von Trumps Verteidigungsminister im Überblick
Skandale von Trumps Verteidigungsminister Pete Hegseth

Pete Hegseth: Trumps umstrittener Verteidigungsminister in der Kritik

Der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, von sich selbst als "Kriegsminister" bezeichnet, steht nach einer Reihe von Skandalen und Fehltritten massiv in der Kritik. Demokratische Abgeordnete haben ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn angestoßen, obwohl dieses voraussichtlich keine Mehrheit finden wird. Die Vorwürfe reichen von mutmaßlichen Kriegsverbrechen bis hin zu schwerwiegenden Sicherheitspannen.

Politische Vorstöße und militärische Vorwürfe

Die Demokraten konzentrieren sich laut Berichten zunehmend auf einzelne Kabinettsmitglieder der Trump-Administration. Nachdem bereits Ministerinnen wie Kristi Noem und Pam Bondi aufgrund von Kritik und innenpolitischem Druck entlassen wurden, haben die Demokraten nun Pete Hegseth als neues Ziel ausgemacht. Der selbsternannte "Kriegsminister", der sich für Präsident Donald Trump sogar mit dem Papst anlegt, soll sich nach dem Willen demokratischer Abgeordneter einem Amtsenthebungsverfahren stellen.

Die Demokraten sehen Hegseth in der Verantwortung für umstrittene Militäroperationen in der Karibik und den Irankrieg. Kritiker werfen ihm Kriegsverbrechen vor, als er mutmaßliche Drogenschmuggelboote in der Karibik beschießen ließ, wobei angeblich auch wehrlose Überlebende getötet worden sein sollen. Auch der - wahrscheinlich versehentliche - Angriff auf eine Mädchenschule im Iran am 28. Februar mit mehr als 170 Toten bringt Hegseth in ernste Bedrängnis.

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Kritik aus den eigenen Reihen

Die Vorwürfe könnten Hegseth selbst in der eigenen Partei gefährlich werden. Drei republikanische Senatoren weigerten sich bereits, ihn im Amt zu bestätigen, weil sie seine Qualifikation bezweifelten. Im vergangenen November warfen republikanische Senatoren Hegseth vor, wegen seiner Haltung zum Krieg in der Ukraine Amerikas Reputation aufs Spiel zu setzen. Jüngst zeigten sich mehrere republikanische Abgeordnete irritiert, weil Hegseth einen ranghohen Militär entließ.

Die schwerwiegenden Skandale im Detail

In seiner vergleichsweise kurzen Amtszeit hat sich Hegseth bereits zahlreiche Skandale, Peinlichkeiten und Fehltritte geleistet:

Skandal um geleakte Militärinterna

Im vergangenen Jahr enthüllte die "New York Times", dass Hegseth hochsensible Informationen über einen bevorstehenden Militärschlag gegen die Huthis im Jemen in einem privaten Chat mit Verwandten teilte. Seine Ehefrau, sein Bruder und sein Anwalt sollen so vorab über den Angriff informiert worden sein. Hegseth teilte sicherheitsrelevante Informationen auch in einem anderen Chat mit hochrangigen Sicherheitsbeamten, darunter Details über geheime Ziele und den Zeitplan für den Einsatz von Kampfjets.

Die Affäre wurde öffentlich, weil ein Chatteilnehmer versehentlich den Chefredakteur der US-Zeitschrift "The Atlantic" hinzugefügt hatte. Noch gravierender: Die Handynummer, die Hegseth für den Familienchat nutzte, war nach Recherchen von SPIEGEL und "New York Times" im Internet frei verfügbar. Diese eklatante Sicherheitspanne hätte es Geheimdiensten anderer Länder leicht gemacht, Hegseths Handy zu überwachen und damit möglicherweise nicht nur die Militäroperation im Jemen, sondern auch das Leben von US-Soldaten gefährdet.

Eingeschränkte Pressefreiheit und Eitelkeit

Unter Hegseths Führung kündigte das Pentagon neue restriktive Regeln für Pressevertreter an. Der ehemalige Fox-News-Moderator ließ den bisherigen Arbeitsbereich für Korrespondenten schließen. Das Ministerium verkündete, Reportern künftig die Akkreditierung zu verweigern, wenn sie Informationen ohne Genehmigung veröffentlichen - selbst dann, wenn diese zuvor nicht als geheim eingestuft waren.

Die "New York Times" ging dagegen vor und warf dem Pentagon vor, die Pressefreiheit einzuschränken. Vergangene Woche wies ein Richter das Pentagon an, den uneingeschränkten Pressezugang wiederherzustellen. Hegseths Motivation scheint dabei nicht ausschließlich sicherheitsrelevant zu sein: Im März sorgte eine Entscheidung für Schlagzeilen, Pressebriefings zum Irankrieg ohne Fotografen stattfinden zu lassen. Laut der "Washington Post" waren Mitarbeiter nicht zufrieden, wie Hegseth auf veröffentlichten Fotos aussah.

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Mutmaßliche Börsengeschäfte vor Kriegsbeginn

Anfang April sorgte ein Bericht der "Financial Times" für Aufsehen. Demnach soll ein von Hegseth beauftragter Broker in den Wochen vor dem amerikanischen Angriff gegen Iran versucht haben, große Summen in einen Rüstungsfonds zu investieren. Es sei um mehrere Millionen Dollar gegangen, die Verhandlungen hätten kurz vor dem Start der Militäraktion gegen Teheran stattgefunden.

Laut dem Bericht scheiterte das Geschäft letztlich, weil der Fonds für Kunden von Morgan Stanley noch nicht zum Kauf verfügbar war. Unklar bleibt, ob Hegseths Finanzberater daraufhin an anderer Stelle investierte. Das Pentagon dementierte den Bericht scharf.

Bizarre Gottesdienst-Inszenierung

Hegseth inszeniert sich gerne als Gotteskrieger und lud am Mittwoch zu einem Gottesdienst im Pentagon, bei dem er die Predigt kurzerhand selbst hielt. Darin verwies er auf eine Rettungsmission im Irankrieg und zitierte dabei - vermutlich unwissentlich - wörtlich eine ganze Passage aus Quentin Tarantinos Film "Pulp Fiction". Videoaufnahmen zeigen, wie Anwesende mit zusammengelegten Händen ehrfürchtig auf den Boden blicken.

Außerhalb des Gottesdienstes kam die Frage auf, ob Hegseth dachte, einen Original-Bibeltext vorzutragen, was das Pentagon verneinte. Der Häme tat dies keinen Abbruch, zumal Hegseth seinen Glauben immer wieder öffentlich thematisiert. Jüngst verglich er kritische Journalisten mit den Feinden Jesu und behauptete, die Medien trachteten danach, ihn zu zerstören.

Die zahlreichen Skandale und Fehltritte haben Pete Hegseths Position als Verteidigungsminister erheblich geschwächt. Während die Demokraten auf ein Amtsenthebungsverfahren drängen, wächst auch in den eigenen Reihen die Kritik an seinem Führungsstil und seiner Professionalität.