Der Saalekreis sucht eine neue Landrätin oder einen neuen Landrat. Am 7. Juni können die Bürger zwischen vier Kandidaten wählen. Wir stellen sie vor. Heute: Lars Zaruba (parteilos).
Überraschungskandidat mit klarem Fokus
„Das Allerwichtigste ist für mich die Wirtschaft, die muss man in ruhige Fahrwasser kriegen“, sagt Lars Zaruba. Der 49-Jährige ist der Überraschungskandidat im Kampf um das Landratsamt im Saalekreis. Erst während der Sitzung des Kreiswahlausschusses am 9. April stand fest: Zu dem bekannten Bewerbertrio von CDU, AfD und Linke gesellt sich noch ein vierter Kandidat hinzu, ein parteiloser. 2019 war Zaruba mal auf der Liste der Sozialdemokraten in den Ortschaftsrat in Hohenweiden eingezogen. Mehr Einträge hat seine politische Vita bisher nicht. Er stehe der SPD auch nicht nahe, erklärt der Einzelbewerber, sondern er verorte sich irgendwo zwischen SPD, FDP, AfD und CDU: „Ich versuche die Bürger auf der Straße, die unzufrieden sind, zu repräsentieren. Das war meine Motivation.“ Es laufe etwas schief im Land, auch wenn dies meist an der Bundesebene liege. Aber Zaruba hofft, als Landrat eine Stimme zu bekommen, die auch auf höheren politischen Ebenen gehört wird.
Vom Brandschutz zur Politik
Der Saalekreis ist schon jetzt Arbeitgeber des 49-Jährigen. Seit August 2025 ist er dort als Brandschutzprüfer beschäftigt. Im Bereich Braunsbedra, Mücheln, Weida-Land führt er die Brandsicherheitsschauen durch, gibt Stellungnahmen ab, berät Architekten und Bauherren. „Brandschutz ist extrem wichtig. Das merkt man aber erst, wenn etwas passiert.“ Zaruba weiß das aus jahrzehntelanger Erfahrung. Nach Sekundarschulabschluss, Lehre zum examinierten Krankenpfleger und Wehrdienst ging der gebürtige Hallenser, der mit 17 nach Holleben und später nach Hohenweiden gezogen war, 1999 zur Berufsfeuerwehr. Bis zum Vorjahr arbeitete er dort sowohl im Rettungsdienst als auch in der Brandbekämpfung. Schon seit 2023 qualifizierte er sich für den gehobenen Dienst weiter, Voraussetzung für seine Tätigkeit als Brandschutzprüfer.
Der Weg zur Kandidatur
Ohne diese Qualifikation wäre er, der in den letzten Jahren das Motorradfahren für sich entdeckt hat und derzeit den Führerschein für große Maschinen macht, vielleicht heute gar nicht Kandidat. Im Januar habe ein Kollege gesagt: „Habt ihr gesehen, die Ausschreibung für den Landrat ist raus?“ Zaruba sagt, er habe gedacht: „Immer nur meckern, ist blöd.“ Also schlief er eine Nacht darüber, dann fragte er die Kreiswahlleiterin, welche Bedingungen er erfüllen müsse. Nach einer weiteren Nacht habe er dann die Unterlagen abgeholt. Anders als die Kandidaten der Landtagsparteien musste Zaruba 100 Unterstützerunterschriften beibringen. Die habe er vor allem in Holleben, Hohenweiden, Schkopau und Delitz gesammelt. Erst mit dem Wahlausschuss stand für ihn endgültig fest, dass er antreten kann. Deshalb ist der 49-Jährige bisher noch nicht in den Wahlkampf gestartet. Er müsse ohnehin schauen, was er finanziell stemmen könnte. „Aber ich kann sicher keine Kampagne wie AfD, CDU und Linke machen.“
Inhaltliche Schwerpunkte: Wirtschaft und Tourismus
Aber er hat sich inhaltliche Schwerpunkte gesetzt, so wie die Wirtschaft. Natürlich, räumt er ein, habe der Kreis, wenn es etwa um bezahlbare Energien für die Firmen gehe, nur begrenzte Handlungsmöglichkeiten. Aber die Firmen sollten wissen, dass da jemand ist, den sie ansprechen können, der ihre Themen auch nach Magdeburg bringt. Ein zweiter Schwerpunkt ist die Tourismusförderung. Gerade mit der Burg Querfurt, dem Geiseltalsee oder dem Petersberg habe der Saalekreis schon Orte, die touristisch gut erschlossen seien. „Aber die muss man außerhalb des Saalekreises bekannter machen.“ Wer die Tourismusvermarktung machen soll, ob stärker der Kreis selbst oder weiter der Saale-Unstrut-Tourismus, da will sich der Parteilose noch nicht festlegen, sondern erstmal das Gespräch mit dem SUT suchen. „Ich bin niemand, der in funktionierende Strukturen eingreift. Was läuft, sollte man laufen lassen.“
Schulschließungen und Personalmangel
Oder, im Fall von Schulen, bestehen lassen. Zaruba betont, dass Schulschließungen für ihn ein rotes Tuch seien. Er sieht noch weiteren Werbebedarf für den Saalekreis: den um Mitarbeiter. „Ich sehe in der Verwaltung das massiv Personal fehlt.“ Deshalb dauere die Bearbeitung von Anträgen jetzt schon teils lang. In der Verwaltung noch Personal einzusparen, gehe nicht. Zumal altersbedingt in den kommenden Jahren ohnehin große Abgänge drohten. Die im Vorjahr vom Kreis gestartete Kampagne „Arbeiten im Schloss“ hält Zaruba daher für einen guten Ansatz. Man müsse auch ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem der Mitarbeiter sagt: „Ich komme gern her.“ Und: „Wir müssen aggressiv Werbung machen.“



