Ende einer Ära: Letztes Sportgeschäft in Anklam schließt nach 35 Jahren
Der Anklamer Dirk Wollenburg wird sein Sportgeschäft in der Innenstadt schließen und in den Ruhestand wechseln. Nach 35 Jahren endet damit eine Ära für die Stadt, denn es handelt sich um das letzte verbliebene Sportfachgeschäft in Anklam. Der Ausverkauf bei Sport 2000 Wollenburg am Neuen Markt läuft bereits auf Hochtouren, und die Regale leeren sich zusehends.
Vom Kfz-Mechaniker zum Sportgeschäftsinhaber
Für den 64-jährigen Dirk Wollenburg ist die Entscheidung, sein Geschäft zu schließen, nicht leichtgefallen. Das Alter für den persönlichen Ruhestand sei erreicht, und die Geschäfte laufen längst nicht mehr so gut wie in früheren Jahren. Am 27. April 1991 wagte der ehemalige Kfz-Mechaniker den Sprung in die Selbstständigkeit und eröffnete das Sportgeschäft. Auf Anraten seines Schwiegervaters, der nach der Wende eine Marktlücke für ein Sportfachgeschäft prophezeite, nutzte er das familieneigene Wohn- und Geschäftshaus in der Innenstadt, wo zuvor ein Friseursalon betrieben wurde.
Die Anfangsjahre in den 1990ern beschreibt Wollenburg als wilde Zeit. In Eigeninitiative baute er die Geschäftsräume um und erhielt Unterstützung von Christa Studier, der ehemaligen Leiterin der Handelsorganisation, die ihm als Ratgeberin und Lehrmeisterin zur Seite stand. Ohne ihre Hilfe hätte er es wohl nicht so weit geschafft, gibt der Unternehmer ehrlich zu.
Langjährige Zusammenarbeit mit Schulen und Vereinen
Schon 1992 kam mit Christine Lorenz eine langjährige Mitarbeiterin hinzu, die bis zu ihrer Rente im Juni 2024 für ihn arbeitete. Immer freundlich, immer für die Kunden da. Sie hat mir immer den Rücken freigehalten, schwärmt Wollenburg. Gemeinsam bewältigten sie über die Jahre den Ladenbetrieb und waren ein fester Bestandteil der Anklamer Geschäftswelt. Das Geschäft war ein verlässlicher Partner für Schulen und Sportvereine in der Region, die Ausstattung und Equipment benötigten, und konnte auch große Bestellungen zu fairen Preisen ermöglichen. Dies sei stets ein gegenseitiges Geben und Nehmen gewesen, erzählt Wollenburg.
Herausforderungen für den stationären Einzelhandel
In der Vergangenheit gab es in Anklam noch ein zweites Sportgeschäft und ein Kaufhaus im Lilienthalcenter, von denen alle leben konnten. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Wie überall im stationären Handel hat der Durchbruch des Internets auch Wollenburgs Geschäft beeinflusst, und die Coronazeit verschärfte die wirtschaftliche Lage zusätzlich. Heute ist seine Prämisse, ohne Schulden und Nachwirkungen sauber aus dem Geschäftsleben auszusteigen. Seiner Meinung nach werden die Innenstädte vielerorts weiter ausbluten, und es wird eines Tages keine privat geführten Einzelhandelsgeschäfte mehr geben.
Ausverkauf und Zukunftsperspektiven
Ursprünglich wollte Dirk Wollenburg seinen Laden bis Ende Juni öffnen, doch nun deutet alles darauf hin, dass er schon im Mai schließen wird. Wenn es nichts mehr zu verkaufen gibt, brauchen wir es auch nicht länger herauszuzögern, meint er pragmatisch. Einen Nachmieter für die Ladenräume gibt es bislang nicht, Interessenten können sich jedoch gerne melden.
Sobald der Betrieb abgewickelt ist, will sich der Neu-Ruheständler seinen Hobbys widmen. Sein Herz schlägt immer noch für Autos und Motoren, zudem liebt er den Wassersport und ist Mitbegründer des Kamper Hafenvereins. Die Aussicht, künftig mehr als nur eine Woche Urlaub im Jahr machen zu können, stimmt den langjährigen Firmeninhaber glücklich. Sein großer Dank für den jahrelangen Rückhalt und insbesondere die Unterstützung in den letzten Wochen des Ausverkaufs, der seit Ende März läuft, gilt seiner Frau, seiner gesamten Familie und den Freunden.



