„Aber nicht, dass dir langweilig wird“, hallt der Satz meiner Mutter als Sorge formuliert noch nach in meinem Ohr. Damals ging es um die Entscheidung für einen Umzug von der Wahlheimat Berlin ins Zuhause Neubrandenburg. Was sie meinte: Von der schillernden Weltmetropole mit Electro-Clubs und aneinandergereihten Restaurants hin zur Kleinstadt mit gut 60.000 Einwohnern, weniger Angebot und anderem Lifestyle.
Die Sorge meiner Mutter ist endgültig vom Tisch
Auch wenn ich der Sorge meiner Mutter schon entgegengetreten bin in einer anderen Kolumnen-Folge, in der ich von Regenbogen bis Nachtleben das städtische, positiv veränderte Angebot auseinandernehme: So richtig weiß man es ja doch erst nach geraumer Zeit. Anderthalb Jahre sind es jetzt bei mir. Und spannend ist natürlich auch noch mal der Blick auf die ganze Region statt aufs Lokale.
„Ich bin wieder hier“
In meiner Rückkehrer-Kolumne schreibe ich über das, was mir in Stadt und Region auffällt. 20 Jahre bin ich durch Deutschland getingelt: In Marburg lernte ich Freunde fürs Leben kennen, in Tübingen Menschen, die mir nie wieder aus dem Kopf gehen sollten. In Düsseldorf erlebte ich, wie hart es sich ganz allein ohne Heimat- und Studienfreunde anfühlt. In Berlin entwickelte ich mich beruflich weiter und gründete eine Familie. Hier reifte der Entschluss: Ich will zurück zu meinen Wurzeln. Über mein neues altes Leben, die Menschen und örtliche Hilfsangebote schreibe ich in „Ich bin wieder hier“.
Ab ins Auto und du hast alles in Reichweite
Immer wieder höre ich, dass man in MV eben ein bisschen Fahrtzeit aufbringen müsse, dann aber auch alles habe oder bekomme. Wenn ich mir das vor allem aus Sicht eines Familienvaters anschaue, kann ich nur sagen: Das stimmt. Ich bewerte das mit Blick auf eine Fahrtzeit von gut einer Stunde. Und, ganz ehrlich, die brauchte ich teilweise auch in Berlin, um von Zuhause zu einem Ausflugsziel zu kommen. Gerade im Sommer, wenn die naheliegenden Seen brechend voll sind und man auch aus Pankow im Norden Berlins mindestens eine Dreiviertel Stunde hinausfahren muss, um einigermaßen seine Ruhe haben zu können.
Mit Gewässern kennen wir uns im Land der 1.000 Seen ja aus und beim Baden, Natur lieben oder Wassersport kriegen alle im Bundesland ein Stück ab vom Kuchen. Bleiben wir doch im feuchten Nass: Wunderbare Thermen gibt es in Greifswald, am Fleesensee (mit dem besten Kleinkind-Planschbereich) oder in Templin, auch Röbel hat ein Schwimmbad. Will ich in den Tierpark mit den Kindern, locken Neustrelitz, Ueckermünde, Güstrow oder Greifswald (mein Favorit, weil sehr kompakt an und um einen Teich gelegen). Besondere Naturziele sind der ruhig gelegene Naturerlebnispark Mühlenhagen, der Tiererlebnispark Müritz mit Zirkuszelten, die alten Bäume und der Baumkronenpfad bei den Ivenacker Eichen bei Stavenhagen oder der prominente Bärenwald Müritz. Ja, Wasser und Tiere können wir hier.
Diese Autofahrt lasse ich mir doch 1.000 Mal mehr fallen
Und wenn es dann doch mal regnet, geht es zum kunti-bunt Indoor-Spielplatz nach Greifswald oder es wird das Programm des Kindertheaters in der Probebühne beim Schauspielhaus in Neubrandenburg oder in Neustrelitz wahrgenommen. Für Fortgezogene und Rückkehrer gibt es den Heimweh-Newsletter des Nordkurier. Mit dem Heimweh-Newsletter richtet sich der Nordkurier an die vielen Menschen, die Mecklenburg, Vorpommern, die Prignitz oder die Uckermark in den vergangenen Jahren verlassen haben, aber noch immer an ihrer Heimat hängen. Wir zeigen Erfolgsgeschichten, inspirierende Menschen, coole Typen und positive Nachrichten aus einer Region, die viele schon abgeschrieben haben. Heimweh erscheint jeden Donnerstag um 18 Uhr neu. Hier abonnieren!
Ich muss sagen: Klar ist das Angebot in und um Berlin kleinteiliger, beispielsweise durch Kindercafés auch noch vielfältiger, ja gigantischer (wenn ich an den Dinopark in Germendorf oder den Holland-Park in Panketal denke). Aber Kinder finden hier im Nordosten natürlich vor allem eins: mehr Natur und Ruhe, saubere Luft – und eine glückliche Kindheit, was Freizeitangebote angeht. Klar, dazu muss man sich ab und an ins Auto schwingen. Aber ich sage mal so: Ich lasse meinen Sohn auf der Fahrt lieber Jägerstände zählen und Rehe sichten, als bei der gleichen Fahrtzeit an endlosen Häuserfassaden vorbeizufahren und dabei selbst über Dauerrot-Ampelphasen zu fluchen. Sorry, aber dagegen stinkt Berlin ab. Da hat MV einfach die Nase vorn.



