Kleiner Ast, große Wirkung: Eisbachwelle in München weiterhin blockiert
Die berühmte Surferwelle im Münchner Eisbach bleibt vorerst außer Betrieb. Ein geplanter Vorversuch zur Wiederherstellung der Welle am Freitag, den 6. März 2026, musste abgesagt werden. Der Grund: Ein Ast hat sich an den Eisbachkaskaden verfangen und blockiert dort ein Dammbalkenwehr.
Surf Club fordert sofortige Beseitigung des Hindernisses
Der Surf Club München zeigt sich verärgert über die Situation. "Man könnte den Ast ganz einfach vom Ufer aus mit der Hand herausziehen", erklärt der Verein. Das Hindernis befinde sich etwa 200 Meter unterhalb der eigentlichen Surferwelle und sei "dünner als ein Arm" und nur etwa eineinhalb Meter lang.
Präsident Martin Grün kritisiert die Stadt scharf: "In über 30 Jahren Eisbach-Surfen wurde der Wasserstand nie wegen Hochwasser abgesenkt, außer beim Jahrhunderthochwasser 2005." Der Club fordert die Stadtverwaltung auf, "das Stöckchen am Wehr unverzüglich zu beseitigen" und die bereits genehmigten Versuche endlich durchführen zu lassen.
Wasserwirtschaftsamt sieht komplexere Ursachen
Das Wasserwirtschaftsamt München, zuständig für das Verteilerbauwerk an den Eisbachkaskaden, widerspricht dieser Darstellung. Amtsleiter Stefan Homilius erklärt: "Der Ast ist nicht der Grund für den niedrigen Wasserstand." Vielmehr seien mehrere Faktoren im Spiel:
- Vor dem jüngsten Hochwasser wurden Dammbalken angehoben, um den Schwabinger Bach mit ausreichend Wasser zu versorgen
- Während des Hochwassers am 22. Februar wurde der Zufluss aus der Isar gedrosselt, um Überschwemmungen zu verhindern
- Nun müssen die Dammbalken wieder abgesenkt werden, was durch die verhakten Äste erschwert wird
Homilius warnt: "Solange die Dammbalken nicht wieder abgesenkt sind, können wir kein zusätzliches Wasser zuleiten. Dann droht eine Überschwemmung im Schwabinger Bach."
Technische Herausforderungen verzögern Lösung
Die Beseitigung des Problems gestaltet sich technisch anspruchsvoller als von den Surfern erhofft. Für die Arbeiten an den Dammbalken wird ein Schreitbagger benötigt. Zudem sind laut Wasserwirtschaftsamt "weitere Steuerungsmaßnahmen im gesamten Gewässersystem des Englischen Gartens" erforderlich.
Die Mitarbeiter der Flussmeisterstelle München werden voraussichtlich "nächste oder übernächste Woche" mit den Arbeiten beginnen können. Bis dahin bleibt der Pegel an der Eisbachbrücke bei nur 107 Zentimetern – deutlich unter den für den Surfbetrieb benötigten 145 bis 150 Zentimetern.
Hintergrund: Langer Streit um die Eisbachwelle
Die Eisbachwelle ist seit Jahrzehnten ein beliebter Surfspot mitten in München. Seit ihrer Beschädigung gibt es jedoch immer wieder Konflikte zwischen Surfern und Behörden:
- Der letzte erfolgreiche Vorversuch fand am 19. Februar statt, als mit einem Gitter kurzfristig eine surfbare Welle erzeugt werden konnte
- Bei einer großen Surfer-Demo am vergangenen Sonntag verhängte das Kreisverwaltungsreferat strenge Auflagen und ein absolutes Surfverbot
- Der niedrige Wasserstand diente dabei auch der Durchsetzung dieses Verbots
Nun müssen sowohl das Versuchsteam um Strömungsexperte Robert Meier-Staude als auch die Münchner Surfcommunity weiterhin Geduld aufbringen. Die Hoffnung auf eine baldige Wiedereröffnung der legendären Welle bleibt vorerst auf Eis – genau wie der Ast in den Eisbachkaskaden.



