Bayerns Führerschein-Erfolg: Schüler bestehen Prüfungen besser als der Bundesdurchschnitt
Trotz der allseits beklagten hohen Kosten für den Erwerb einer Fahrerlaubnis bleibt das Interesse am Führerschein in Bayern ungebrochen. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Theorieprüfungen über alle Klassen hinweg um 1,6 Prozent auf 2,04 Millionen, während die praktischen Prüfungen um 4,9 Prozent auf 1,89 Millionen zunahmen. Damit wurde ein neuer Höchststand erreicht, wie Richard Goebelt, Fachbereichsleiter beim Tüv-Verband, am Mittwoch in Berlin mitteilte.
Hohe Kosten und Durchfallquoten belasten Fahrschüler
Die hohen Kosten für den Erwerb einer Fahrerlaubnis in Deutschland, die für den meistbegehrten Führerschein der Klasse B bei durchschnittlich 3500 Euro liegen, führt Goebelt auf die anhaltend hohen Durchfall- und Wiederholungsquoten zurück. Umso unverständlicher sei es, dass Lernstandskontrollen im Entwurf zur Reform der Fahrschulausbildung, die Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) vorgelegt hat, „bislang keine Rolle spielen“.
Führerschein-Reform ohne Preisschild
Bei einem Besuch in München hatte Schnieder am vergangenen Dienstag vor Erwartungen gewarnt, der Führerschein werde durch die Reform generell auf einen Schlag deutlich billiger. Die Reform sei „kein Preisschild angehängt“, betonte Schnieder. Die Führerscheinkosten sind seit Anfang der 2000er-Jahre rasant gestiegen, was viele potenzielle Fahrschüler abschreckt.
Experten warnen vor „Fahrprüfung light“
Den Tüv-Verbänden missfallen an der Reform Teile, welche auf eine „pauschale Absenkung der Anforderung“ zielten. Eine „Fahrprüfung light“, bei der Effizienz vor Gründlichkeit stehe, dürfe es nicht geben, sagte Goebelt. Eine Reform müsse vor allem die konstant hohen Durchfallquoten reduzieren, um die Kosten für die Fahrschüler langfristig zu senken.
Bayern schneidet in praktischen Prüfungen besser ab
Die bayerischen Prüflinge waren im vergangenen Jahr in der praktischen Fahrprüfung zu den Führerscheinklassen B und BF17 mit einer Erfolgsquote von 65 Prozent überdurchschnittlich gut (Bundesdurchschnitt: 63 Prozent). Die theoretische Prüfung absolvierten 56 Prozent mit Erfolg – genau so viele wie im Bundesschnitt. Im Freistaat wurden im vergangenen Jahr 254.349 theoretische und 212.226 praktische Prüfungen vorgenommen. Damit liegt Bayern auf Platz zwei hinter Nordrhein-Westfalen und vor Baden-Württemberg.
Unter 18-Jährige fallen weniger häufig durch
Im Schnitt deutlich besser schnitten mit Durchfallquoten von 35 beziehungsweise 24 Prozent die Prüflinge unter 18 ab. Diese Kandidaten seien hochmotiviert und durch Schule und Ausbildung gewohnt, sich auf Prüfungen vorzubereiten, heißt es beim Tüv. Wer jedoch bei einer der beiden Prüfungen im ersten Anlauf durchgefallen ist, für den steigt das Risiko, auch bei neuen Versuchen zu scheitern, offenbart die Tüv-Statistik.
Erfolgsquoten und Herausforderungen
Für die am meisten verbreiteten B-Führerscheinprüfungen lag die Erfolgsquote in der Theorie nur bei 44 Prozent und bei lediglich 58 Prozent in der Praxis. Bei der praktischen Prüfung fallen im Schnitt 37 Prozent der Prüflinge durch. Bayern schneidet mit 35 Prozent leicht besser ab. Jede nicht bestandene Prüfung bedeute eine zusätzliche mentale, finanzielle und zeitliche Belastung, sagte Goebelt: „Wer den Führerscheinerwerb effizienter und kostengünstiger gestalten will, muss alles daran setzen, den ersten Prüfungsversuch zum Erfolg zu machen.“
Ausblick und Reformpläne
In Erwartung der Führerscheinreform und niedrigerer Kosten seien die Anmeldezahlen für eine Fahrerlaubnisausbildung seit Herbst 2025 zurückgegangen, bestätigte der Tüv-Fachbereichsleiter. Das werde sich aber erst zeitversetzt in diesem Jahr in niedrigeren Prüfungszahlen niederschlagen. Die geplante Reform soll den Führerscheinerwerb langfristig wieder günstiger machen, doch viele Fragen bleiben offen, insbesondere zur Umsetzung und den konkreten Auswirkungen auf die Prüfungsanforderungen.



