Traunstein plant eigene Surfwelle: Chiemgau-Welle soll 2027 starten
Die legendäre Eisbachwelle in München könnte bald Konkurrenz aus dem Chiemgau bekommen. In Traunstein arbeitet der Verein Chiemgau Welle seit Jahren an der Realisierung einer künstlichen Surfwelle am Mühlbachkanal. Nach zähen Planungsjahren mit umfangreichen Genehmigungsverfahren scheint das Ziel nun greifbar: Ab 2027 könnten Surfer dort auf der Welle reiten.
Finanzierung als letzte Hürde
„Wir haben jetzt alle Unterlagen vorliegen, die wir für das Projekt brauchen. Wir könnten theoretisch übermorgen mit dem Bau beginnen. Es liegt jetzt an der Finanzierung“, erklärt der neue Vereinsvorsitzende Nico Walz. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 750.000 Euro. Die Stadt Traunstein hat bereits zugesagt, ein Drittel dieser Summe zu übernehmen, sofern der Verein die restlichen 500.000 Euro aufbringen kann.
„Das ist unser großes Ziel für 2026, dass am Ende des Jahres die Finanzierung auf unserem Konto liegt und 2027 der Spatenstich erfolgen kann“, so Walz weiter. Der Verein will nun verstärkt auf Unternehmen zugehen und Sponsorenpakete aushandeln.
Stadt sieht großes Potenzial
Die Stadt Traunstein unterstützt das Vorhaben ausdrücklich. Eine Sprecherin betont: „Die Stadt Traunstein sieht in der geplanten Chiemgau-Welle ein innovatives Freizeitprojekt mit Strahlkraft über die Region hinaus. Vergleichbare Projekte – etwa die Eisbachwelle in München – zeigen, welches Potenzial eine solche Anlage für die Attraktivität einer Stadt entwickeln kann.“
Die künstlich erzeugte, stehende Welle würde nicht nur Flusssurfer anziehen, sondern auch zahlreiche Zuschauer. Damit könne sie einen zusätzlichen Anziehungspunkt im Stadtgebiet schaffen und das sportliche sowie touristische Profil Traunsteins weiter stärken.
Unterschiede zur Münchner Eisbachwelle
Anders als bei der anspruchsvollen Eisbachwelle in München soll die Traunsteiner Welle sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene geeignet sein. „Der große Vorteil der Welle, die wir geplant haben: Die Hemmschwelle ist niedrig, man erzielt schnell ein Erfolgserlebnis“, erklärt Walz. „Bei uns können sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene ihren Spaß haben, weil die Welle genügend Kraft für die guten Surfer hat, zugleich aber auch für Anfänger sehr sicher ist.“
Ein wichtiger Sicherheitsaspekt: Im Gegensatz zur Eisbachwelle soll es in Traunstein keine gefährlichen Störsteine geben. Zudem sind Durchfluss und Energie deutlich geringer. „Es ist ein Wassersport und es kann immer etwas passieren, aber wir haben unsere Hausaufgaben dahin gehend gemacht, dass die Gegebenheiten vor Ort so sicher wie möglich sind“, betont der Vereinsvorsitzende.
Jahrelange ehrenamtliche Vorarbeit
Das Projekt hat sich über die Jahre als äußerst komplex und bürokratisch erwiesen. Der Verein musste zahlreiche Gutachten und Genehmigungen einholen – von Vogelschutzbeobachtungen über Hochwasserschutzmaßnahmen bis hin zu einem umfangreichen Risikogutachten, das 11.000 Euro kostete.
„Wir haben ein Jahr lang einen Vogelschützer beauftragt, der das Gebiet beobachtet hat, ob dort spezielle Vögel brüten“, erzählt Walz. „Oder aber: Wir haben ein 30-seitiges PDF über den richtigen Hochwasserzaun. Das haben wir in den vergangenen Jahren alles ehrenamtlich vorbereitet, unser Team ist wahnsinnig engagiert.“
Insgesamt hat der Verein bereits einen hohen fünfstelligen Betrag in die Vorplanung investiert. Die Stadt Traunstein würdigt dieses Engagement ausdrücklich: „Das Projekt wird seit Jahren mit großem ehrenamtlichen Engagement vorangetrieben.“
Standort und Zugänglichkeit
Geplant ist die Welle an einem Werkskanal, der in die Traun einleitet. Bisher handelt es sich um ein Brachland, das jedoch in ein Freizeitgelände eingebettet und vom Bahnhof aus gut erreichbar ist. „Dieser Werkskanal wird für Erneuerbare Energien genutzt, unter anderem von den Stadtwerken. An der Stelle ist ein gewisser Höhensprung, um dort eine Welle aufstauen zu können“, erklärt Vereinsmitglied Lisa Springer.
Eine Fußgängerbrücke über dem Kanal soll es Zuschauern ermöglichen, wie bei der Eisbachwelle in der ersten Reihe das Geschehen zu verfolgen. Allerdings betont Walz: „Man muss natürlich die Kirche im Dorf lassen, wir sind nicht München und werden nicht Millionen von Besuchern anziehen können. Aber es werden auf jeden Fall Besucher zuschauen.“
Vereinskonzept statt Kommerz
Dem Verein ist wichtig, kein kommerzielles Interesse in den Vordergrund zu stellen. „Wir möchten ein Verein bleiben und keine kommerzielle Betreibergesellschaft werden. Wir wollen eine Welle für die Region, die für möglichst viele Menschen zugänglich ist“, betont Walz.
Aus versicherungstechnischen Gründen sollen jedoch nur Vereinsmitglieder surfen können. Geplant sind aber Tagesmitgliedschaften, sodass auch Urlauber und spontane Besucher ihren Surf-Spaß haben können. Der Verein plant zudem Surfkurse anzubieten – einige Mitglieder haben sich bereits zum „Surf Instructor“ weitergebildet.
Bereits 150 Mitglieder ohne Welle
Interessanterweise hat der Verein Chiemgau Welle bereits jetzt 150 Mitglieder, obwohl es noch gar keine Surfwelle gibt. Die Mitgliedschaft kostet nur zehn Euro pro Jahr und kann online in weniger als einer Minute abgeschlossen werden.
Für die Vereinsverantwortlichen ist die Surfwelle mehr als nur ein Sportprojekt. „Die Region braucht dieses Projekt“, ist Walz überzeugt. Seine Stellvertreterin Lisa Springer, die Traunstein als „beschauliches Städtchen mit 22.000 Einwohnern“ beschreibt, sieht in der Welle eine Chance, das Freizeitangebot aufzuwerten und junge Leute stärker an die Heimat zu binden.
Beide sind leidenschaftliche Surfer und brennen für ihr Projekt. Walz schwärmt: „Das Coolste ist, und das bietet fast keine andere Sportart, dass man mit der Energie der Natur spielt. Das ist ein Gefühl der Schwerelosigkeit.“ Springer ergänzt: „Das Beste am Surfen ist der Flow, es ist ein Moment-Sport. Jetzt, jetzt, jetzt.“
Dieser Moment für die Traunsteiner Surfwelle soll nun 2027 kommen. „Ich glaube fest daran“, sagt Walz überzeugt.



