Der Intendant des Berliner Ensembles, Oliver Reese, hat an Finanzsenator Stefan Evers (CDU) appelliert, in seiner neuen Doppelrolle als kommissarischer Kultursenator die Perspektive wechseln zu können. Nach dem Rücktritt der bisherigen Kultursenatorin soll Evers nun vorübergehend auch das Kulturressort führen.
Ein unerwarteter Donnerknall
„Was für eine Pointe. Finanzsenator Stefan Evers, der in der Kürzungsdebatte zunächst vehement den Rotstift angesetzt hatte, nun kommissarisch mit dem Kulturressort zu betrauen – das ist ein Donnerknall, mit dem kaum jemand gerechnet hat“, teilte Reese mit. Er bezeichnete die Situation als „Faust und Mephisto in einer Person: Der oberste Verfechter einer strengen Haushaltsdisziplin muss nun im Kampf um den gefährdeten Kulturetat zugleich als Verteidiger von Kunst und Kultur auftreten. Das darf nicht schiefgehen!“
Erwartungen an den neuen Kultursenator
Reese erklärte auf dpa-Anfrage: „Evers muss jetzt zeigen, dass er Perspektiven wechseln kann – und sich als neuer Kultursenator gegenüber dem starken Finanzsenator zu behaupten weiß.“ Die Kultur in Berlin brauche Planungssicherheit, Verlässlichkeit und eine starke Stimme im politischen Raum. „Dafür wünschen wir Senator Evers toi toi toi!“
Der Schritt kommt überraschend, da Evers zuvor als Verfechter strenger Haushaltsdisziplin galt. Nun steht er vor der Herausforderung, sowohl die finanziellen Zügel anzuziehen als auch die kulturelle Vielfalt Berlins zu schützen. Die Kulturlandschaft beobachtet gespannt, wie der Senator diese Doppelrolle meistern wird.



