Brandenburg startet erste Kinderschutzambulanz: Später Durchbruch mit Finanzierungsfragen
Brandenburgs erste Kinderschutzambulanz eröffnet

Brandenburg startet erste Kinderschutzambulanz: Später Durchbruch mit Finanzierungsfragen

In Brandenburg gibt es nun einen neuen Anlaufpunkt für Kinder und Jugendliche, die Gewalt, Misshandlung oder Vernachlässigung erlebt haben. Am Mittwoch wurde am Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikum die erste Kinderschutzinstitutsambulanz des Landes feierlich eröffnet. Die Einrichtung soll medizinische Expertise mit Fachwissen der Kinder- und Jugendhilfe verbinden, um Verdachtsfällen von Kindeswohlgefährdung nachzugehen.

Brandenburg als Nachzügler bei Kinderschutzstrukturen

Gesundheitsminister René Wilke (SPD) betonte bei der Eröffnung: „Kinder sind die Zukunft unseres Landes und ihr Schutz genießt für unsere Landesregierung höchste Priorität.“ Gleichzeitig räumte der Minister ein, dass Brandenburg das letzte Bundesland sei, das mit einer solchen Kinderschutzambulanz an den Start gehe. Wilke, der diesen Termin als ersten öffentlichen Auftritt in seinem neuen Amt absolvierte, verwies auf finanzielle Herausforderungen.

Die Anschubfinanzierung erfolgte über Lottomittel, und die Frage der dauerhaften Finanzierung ist noch nicht abschließend geklärt. „Angemeldete Haushaltsmittel sind noch keine bestätigten Mittel“, sagte Wilke am Tag nach der Vorstellung der Eckwerte für den Brandenburger Doppelhaushalt 2027/2028 durch Finanzminister Daniel Keller (SPD).

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Fünf Standorte geplant und steigende Fallzahlen

Insgesamt sollen in Brandenburg fünf Kinderschutzambulanzen entstehen. Neben der Potsdamer Einrichtung sind Standorte in Eberswalde, Neuruppin, Frankfurt (Oder) und Lauchhammer geplant. Chefärztin Petra Degenhardt von der Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie erklärte: „Wir wollen dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche in einem geschützten und sicheren Bereich untersucht werden können, und Hilfen möglichst schnell angeboten werden können.“

Aktuelle Zahlen zeigen einen deutlichen Bedarf: Allein in Potsdam wurden im vergangenen Jahr 132 Kinderschutzfälle behandelt, davon 76 unter stationären Bedingungen. Die steigenden Meldungen unterstreichen die Notwendigkeit spezialisierter Anlaufstellen.

Forderungen nach Krankenkassenbeteiligung und interdisziplinärer Zusammenarbeit

Potsdams Oberbürgermeisterin Noosha Aubel (parteilos) und Chefärztin Degenhardt forderten eine Mitfinanzierung der Ambulanzen durch die Krankenkassen. Aubel kritisierte: „Die Krankenkassen wollten noch nicht erkennen, dass es auch ihr Auftrag ist, hier eine verlässliche und stabile Finanzierung sicherzustellen.“

Jugendminister Gordon Hoffmann (CDU) betonte den interdisziplinären Ansatz: „Kinderschutz geht alle an, daher ist es gut, solche interdisziplinäre Zusammenarbeit zu ermöglichen.“ Die Ambulanzen böten feste Strukturen, wo Medizin und Jugendhilfe zusammenkämen, um Fälle von Gewalt schnell zu verfolgen. „Im Mittelpunkt steht das Kind“, so Hoffmann. „Jeder Verdacht braucht schnelle, kompetente und sensible Hilfe.“

Langfristige Finanzierungssicherung gefordert

Die CDU-Landtagsabgeordnete Kristy Augustin forderte eine dauerhafte Finanzierungslösung: „Es ist entscheidend, dass die Finanzierung der Kinderschutzinstitutsambulanzen langfristig gesichert wird, damit betroffene Kinder dauerhaft bestmöglich geschützt und unterstützt werden können.“ Sie verwies zudem auf die Notwendigkeit, die Etablierung eines Childhood-Hauses für Brandenburg weiter im Blick zu behalten.

Catrin Steiniger, Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, begrüßte die Einrichtung als wichtiges Signal: „Aus fachlicher Sicht ist eine solche spezialisierte Anlaufstelle zur Entlastung unserer niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen absolut zu begrüßen.“ Die Herausforderungen bei Verdachtsfällen seien im Praxisalltag immens.

Die Ambulanz biete dringend benötigte Unterstützung durch:

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  • Medizinische Expertise
  • Rechtssichere Dokumentation
  • Vernetzung mit dem Helfersystem

Dies schaffe Handlungssicherheit für Praxisteams und verbessere die Versorgung betroffener Kinder unmittelbar. Trotz der verspäteten Einrichtung und offener Finanzierungsfragen markiert die Eröffnung der ersten Kinderschutzambulanz einen wichtigen Schritt für den Kinderschutz in Brandenburg.