Neuer Nachtzug Paris-Berlin gestartet: European Sleeper übernimmt Strecke von ÖBB
Nachtzug Paris-Berlin: European Sleeper startet neue Verbindung

Zurück auf den Schienen: Neuer Nachtzug zwischen Paris und Berlin nimmt Fahrt auf

Ein neues Kapitel im europäischen Nachtzugverkehr hat begonnen: Das niederländisch-belgische Bahnunternehmen European Sleeper hat am Donnerstag seinen ersten Nachtzug zwischen Paris und Berlin gestartet. Der Zug verließ pünktlich um 18:03 Uhr den Pariser Bahnhof Gare du Nord in Richtung der deutschen Hauptstadt. Diese Verbindung stellt eine bedeutende Ergänzung des europäischen Schienennetzes dar und knüpft an eine Tradition an, die viele Reisende vermisst hatten.

Dreimal wöchentlich unterwegs mit Zwischenstopps

Die neue Nachtzugverbindung wird dreimal pro Woche verkehren und benötigt für die gesamte Strecke zwischen den beiden europäischen Metropolen etwa 16 Stunden. Neben den Start- und Zielbahnhöfen macht der Zug mehrere Zwischenhalte: In Belgien hält er in Mons, Brüssel und Lüttich. Ab dem 13. Juli kommt als einziger deutscher Zwischenhalt der Bahnhof Hamburg-Harburg hinzu, was die Verbindung für Reisende aus Norddeutschland noch attraktiver macht.

Übernahme einer eingestellten Strecke

European Sleeper übernimmt mit dieser Verbindung eine Strecke, die die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) erst Mitte Dezember 2025 eingestellt hatten. Die ÖBB begründeten diese Entscheidung mit wegfallenden staatlichen Zuschüssen aus Frankreich. Der von ÖBB in Kooperation mit der französischen SNCF und der deutschen DB betriebene Zug war damals über Straßburg, Frankfurt und Erfurt gefahren.

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Gegen die Einstellung dieser erst zwei Jahre zuvor wieder eingeführten Verbindung hatte es erheblichen Protest gegeben. Viele Bahnreisende und Umweltaktivisten kritisierten den Rückzug aus dem Nachtzugverkehr. European Sleeper sprang daraufhin ein, um die Lücke im europäischen Nachtzugnetz zu schließen und die beiden wichtigen Hauptstädte wieder miteinander zu verbinden.

Genossenschaftliches Finanzierungsmodell

Das Unternehmen European Sleoper verfolgt ein besonderes Geschäftsmodell: Es handelt sich um ein genossenschaftliches Eigentumsmodell, bei dem Projektunterstützer Anteile erwerben und so die Verbindungen finanzieren. Dieses Modell ermöglicht es, Nachtzugverbindungen auch ohne staatliche Subventionen wirtschaftlich zu betreiben. Das Unternehmen betreibt bereits erfolgreich eine Verbindung zwischen Brüssel und Prag über Berlin und baut damit sein europäisches Nachtzugnetz kontinuierlich aus.

Rentabilitätsfrage bei Nachtzügen

Obwohl Nachtzüge sich wachsender Beliebtheit erfreuen und immer mehr Menschen sich für umweltfreundliche Fernreisen per Bahn entscheiden – selbst vor langen Fahrzeiten nicht zurückschrecken –, stellen staatliche Bahngesellschaften regelmäßig die Rentabilität solcher Verbindungen in Frage. Ein wesentlicher Grund dafür ist die geringere Auslastung: Nachtzüge stehen tagsüber oft auf Abstellgleisen, während beispielsweise ICE-Züge mehrmals täglich auf derselben Strecke pendeln und damit wirtschaftlicher arbeiten können.

European Sleeper zeigt mit seinem genossenschaftlichen Ansatz jedoch, dass alternative Betriebsmodelle möglich sind. Die rege Nachfrage nach komfortablen Nachtzugverbindungen in Europa scheint das Unternehmen in seiner Strategie zu bestätigen. Für viele Reisende bieten Nachtzüge nicht nur eine umweltfreundliche Alternative zum Flugverkehr, sondern auch die Möglichkeit, Reisezeit effizient zu nutzen – man schläft ein und wacht am Zielort auf.

Perspektiven für den europäischen Nachtzugverkehr

Die Wiederbelebung der Paris-Berlin-Verbindung durch European Sleeper könnte ein Signal für den gesamten europäischen Nachtzugverkehr sein. Sie zeigt, dass auch ohne umfangreiche staatliche Unterstützung nachhaltige Mobilitätslösungen möglich sind. Die Entscheidung, Hamburg als Zwischenhalt ab Juli einzubeziehen, unterstreicht zudem das Bestreben, die Verbindung für möglichst viele Reisende attraktiv zu gestalten.

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Für Bahnenthusiasten und umweltbewusste Reisende bedeutet der neue Nachtzug eine willkommene Ergänzung des europäischen Verkehrsangebots. Die Verbindung zwischen zwei der wichtigsten Hauptstädte Europas stärkt nicht nur den grenzüberschreitenden Bahnverkehr, sondern trägt auch zur Verringerung des CO₂-Fußabdrucks bei Fernreisen bei.