Rätsel um Ostsee-Wal: Experten befürchten Tod, Minister widerspricht
Rätsel um Ostsee-Wal: Tod befürchtet, Minister widerspricht

Der Verbleib des mehrfach in der Ostsee gestrandeten Buckelwals gibt weiterhin Rätsel auf. Nach seiner Freilassung am Samstagmorgen, 2. Mai, verliert sich jede Spur des Tieres. Während Experten des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Tod des Wals ausgehen, widerspricht Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus dieser Einschätzung und fordert belastbare Fakten.

Letzte dokumentierte Sichtung per Drohne

Das Deutsche Meeresmuseum teilte am Dienstag mit, dass der Wal zuletzt am 2. Mai um 9.24 Uhr mittels einer Drohne im offenen Meer eindeutig dokumentiert wurde. Seit diesem Zeitpunkt gibt es keine unabhängig überprüfbaren Hinweise mehr auf seinen Aufenthaltsort oder seinen Gesundheitszustand. In einer Mitteilung des Museums heißt es: „Da sich der Wal in einem extrem geschwächten Zustand befand und nach früheren Rettungsversuchen innerhalb kurzer Zeit immer wieder strandete, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er nicht genug Kraft besaß, um längerfristig im tiefen Wasser zu schwimmen und nicht mehr lebt.“

Minister Backhaus fordert Transparenz

Am Dienstagnachmittag äußerte sich MV-Umweltminister Till Backhaus zur Einschätzung aus dem Deutschen Meeresmuseum. Der Minister erklärte: „Ich nehme die aktuelle Diskussion und die Einschätzungen des Deutschen Meeresmuseums zur Kenntnis. Den Spekulationen über den möglichen Tod des Wals schließe ich mich zum jetzigen Zeitpunkt ausdrücklich nicht an. Ich richte mein Urteil an Fakten aus. Sollte das Deutsche Meeresmuseum Erkenntnisse haben, die wir nicht haben, bitte ich um entsprechende Herausgabe.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Dem Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns lagen am Dienstag noch immer keine Peildaten vor. Bereits am Samstag hatte eine Sprecherin des Ministeriums betont, die Daten seien mehrfach angefordert worden, lägen aber nicht vor. „Mit der privaten Initiative ist vereinbart, dass sie sich bis heute mit den angeforderten Informationen zurückmeldet. Dazu gehören insbesondere die Daten der Peilsender sowie aktuelle Erkenntnisse zum Zustand des Tieres“, sagte der Minister. Er verwies darauf, dass zentrale Punkte vorab mit der privaten Initiative verbindlich vereinbart worden seien – etwa das Anbringen eines Peilsenders sowie das Bereitstellen der Daten für einen vertraulichen Kreis. „Diese Punkte dienen der Nachvollziehbarkeit des Einsatzes und der weiteren Einordnung des Geschehens.“

Kritik an der Freisetzung des Wals

Der Buckelwal war am Samstag etwa 70 Kilometer von der nördlichsten Stadt Dänemarks, Skagen, entfernt abgesetzt worden. Angaben zum Zustand des Tiers zu diesem Zeitpunkt und zum genauen Ablauf der Freisetzung wurden nicht bekannt, auch öffentlich zugängliche Bilder oder Videos gab es nicht. Einige Mitglieder der Rettungsinitiative hatten am Wochenende kritisiert, die Schiffsbesatzung sei bei der Freisetzung des Wals grob vorgegangen. Die Bereederungsgesellschaft des Begleitschiffs „Robin Hood“ sprach in einem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, hingegen von einem Erfolg. Die Freisetzung sei in Abstimmung mit allen Beteiligten erfolgt, hieß es.

Forderung nach wissenschaftlicher Aufarbeitung

Das Deutsche Meeresmuseum betont die Bedeutung einer lückenlosen wissenschaftlichen Aufarbeitung des Falls. Für die Bewertung der Ereignisse und den künftigen Umgang mit solchen Strandungen von Großwalen seien nachvollziehbare und unabhängig überprüfbare Daten entscheidend. Ein Erfolg der Rettungsmission sei nur dann nachweisbar, wenn Informationen transparent offengelegt werden. Dazu gehören laut Museum das exakte Modell des Trackers, der Ort und die Art der Befestigung am Wal mit Fotonachweis, die kompletten übertragenen Rohdaten sowie Zugriff zur Live-Übertragung der Daten für eine unabhängige Organisation.

Die Tierärztin Kirsten Tönnies kritisierte ebenfalls die Art der Freilassung durch die Crew. Der Fall bleibt spannend: Während Experten den Tod des Wals befürchten, hält der Minister an der Hoffnung fest und fordert konkrete Beweise.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration