Im November 2001 schloss der Spreepark in Berlin abrupt. Kurz darauf wurden Fahrgeschäfte heimlich verladen. Es folgten Verfall, Führungen und ein verheerender Großbrand. Heute ist das Gelände eine Baustelle für einen neuen Park.
Die Schließung und der heimliche Abtransport
Am 4. November 2001 öffnete der Spreepark, der Nachfolger des einzigen Freizeitparks der DDR, in Berlin zum letzten Mal regulär. Danach folgte kein geordneter Winterbetrieb, sondern der Rückzug der Betreiber. Noch im November wurden „Butterfly“, „Spider“, „Baby-Flug“ sowie die Achterbahnen „Fun-Express“ und „Jet Star“ abgebaut, in Container verladen und auf ein Grundstück nach Erkner gebracht. Der „Fliegende Teppich“ wurde ebenfalls demontiert und zunächst auf einem Berliner Weihnachtsmarkt betrieben. Für Außenstehende sah das nach Auslagerung und Übergangsbetrieb aus. Tatsächlich wurde der Park in diesen Wochen bereits ausgeräumt.
Am 18. Januar 2002 verließ Norbert Witte mit seiner Familie und engen Mitarbeitern Deutschland in Richtung Lima. Sechs Attraktionen wurden in 20 Schiffscontainer nach Peru verschifft. Dort sollte ein neuer „Lunapark“ entstehen. Auch dieses Projekt scheiterte. Im August 2002 wurde der Spreepark im Insolvenzverfahren abgewickelt. Die Schulden lagen bei rund elf Millionen Euro. Seitdem wurde das Areal nicht mehr dauerhaft für Besucher geöffnet.
Der Park nach der Schließung
Der Spreepark blieb nach 2001 nicht als vollständige Anlage stehen. Schon in den ersten Monaten fehlten mehrere prägende Fahrgeschäfte. Andere blieben an Ort und Stelle, wurden aber nicht mehr betrieben. 2003 wurde zusätzlich die Loopingbahn abgebaut und nach Frankreich verkauft. Der Park verlor damit weiter Bestand, obwohl die Anlage als Ganzes sichtbar blieb.
Im Plänterwald stand nicht irgendein gescheiterter Betrieb, sondern der Nachfolger des Kulturparks, des einzigen ständigen Vergnügungsparks der DDR. 1969 eröffnet, war der Kulturpark für viele Ost-Berliner ein fester Ausflugsort. Nach der Wende sollte daraus ab 1992 ein moderner Freizeitpark werden. Neue Themenbereiche, neue Fahrgeschäfte und Zukäufe aus dem französischen Freizeitpark Mirapolis sollten dem Gelände ein neues Gesicht geben. Nach der Insolvenz blieb eine verlassene Anlage zurück, in der DDR-Bestand, Umbauten der 1990er Jahre und nie vollendete Projekte nebeneinander standen.
Bewachung und Leerstand
Seit 2002 wurde das Gelände rund um die Uhr von einem Sicherheitsdienst bewacht. Für Besucher blieb der Park dauerhaft geschlossen. Viele Gebäude galten als einsturzgefährdet. Das Riesenrad, das bekannteste Wahrzeichen des Geländes, wurde nicht mehr kommerziell betrieben. Es lief nur noch einmal bei einem Probedreh am 7. November 2009. Auch die Wildwasserbahn blieb außer Betrieb.
Weil der Freizeitpark nicht abgerissen wurde, sondern sichtbar stehen blieb, verbreitete sich sein Bild schnell. Das Riesenrad, die Dinosaurierfiguren, die stillgelegte Wildwasserbahn und die verlassenen Themenkulissen tauchten in Reportagen, Fotostrecken und Stadtführern immer wieder auf. Der Spreepark wurde dadurch zu einem der bekanntesten Lost Places Deutschlands.
Führungen auf dem Ruinengelände
Ab Anfang August 2009 konnten Interessierte den verlassenen Park an Wochenenden in zweistündigen Führungen in Gruppen besichtigen. Die Nachfrage war groß, die Rundgänge wurden regelmäßig angeboten und bis April 2014 fortgesetzt. Der Park war damit nicht geöffnet, aber wieder zugänglich.
Dazu kamen zeitlich begrenzte Nutzungen. Von April 2011 bis April 2014 hatte samstags, sonntags sowie an Feier- und Brückentagen das Café „Mythos“ geöffnet. Der Erlös sollte in die Reparatur sanierungsfähiger ehemaliger Fahrgeschäfte fließen. Im Mai 2011 wurde außerdem die Parkeisenbahn Santa-Fe-Express reaktiviert und fuhr bis April 2014 unregelmäßig. Beim Sommerfest im Juli 2011 drehten sich erstmals seit der Schließung wieder einzelne Karussells. Ein regulärer Freizeitparkbetrieb war das nicht. Es blieb bei punktuellen Angeboten in einem weiter stillgelegten Areal.
2014: Sicherung statt Betrieb
Im Sommer 2014 erhielt das Gelände einen neuen und stabileren Zaun. Gleichzeitig wurden die morschen Holzbrücken rund um das Riesenrad mit Baggern abgerissen. Es ging nicht um Umgestaltung, sondern um Sicherung und Abriss gefährlicher Bereiche.
Trotz Bewachung drangen immer wieder Menschen auf das Gelände ein. Fotografen, Neugierige und Urban Explorer versuchten regelmäßig, den Park illegal zu betreten. Bereits einige Jahre zuvor war eine ehemalige Losbude nach Brandstiftung abgebrannt. Zum Ausbleiben von Wartung und Instandsetzung kamen wiederholte Eingriffe von außen.
Der Großbrand im August 2014
In der Nacht vom 10. auf den 11. August 2014 brach im Spreepark ein Großfeuer aus. Betroffen war vorrangig die 1999 errichtete Kulisse „Alt-England“. Auf rund 5000 Quadratmetern waren etwa 100 Helfer im Einsatz. Das Feuer zerstörte große Teile dieses Themenbereichs. Betroffen waren außerdem das Stationsgebäude der nie fertiggestellten Dinofahrt, die Schießbude, die Spielhalle und das abgebaute Zirkuszelt.
Bereits am Folgetag wurden vier Brandstifter gefasst, drei von ihnen gestanden die Tat. Die zerstörten Gebäude wurden später abgerissen. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden danach erhöht. Mit „Alt-England“ traf das Feuer keinen unbedeutenden Randbereich, sondern einen Teil des Parks, der für die letzte große Ausbauphase der 1990er Jahre stand.
Noch 2014 ging der Spreepark zurück an das Land Berlin. Seitdem wird das Gelände nicht mehr nur gesichert, sondern neu aufgebaut. Aus der stillgelegten Attraktion wurde ein Zukunftsprojekt.
Vom Lost Place zur Baustelle
Seit 2016 entwickelt die landeseigene Grün Berlin das Areal neu. Erst wurden die Voraussetzungen geschaffen, dann folgten Sanierungen, Zwischennutzungen und die Hauptbaumaßnahmen. Das Eierhäuschen ist seit März 2024 wieder geöffnet – als Ort für Gastronomie und Kunst, mit eigenem Schiffsanleger.
Im Park selbst wurde das Riesenrad zum sichtbarsten Symbol dieses Umbaus. Seine Sanierung läuft seit 2021, Ende 2025 prüfte der TÜV Süd den wieder aufgebauten Radkranz. Die Wiedereröffnung des Spreeparks ist für das Frühjahr 2027 angekündigt.
2026 ist der Spreepark kein Lost Place mehr. Er ist eine Baustelle mit klarer Richtung: weg von der Ruine, hin zu einem neuen Park, der Kunst, Natur und die Geschichte des Geländes zusammenführen soll.



