Nach der Winterpause wird im Spreewald die Post wieder per Kahn zugestellt. Andrea Bunar, 55 Jahre alt, bewegt den berühmten gelben Kahn der Deutschen Post durch die Kanäle des brandenburgischen Dorfes Lehde. Auf acht Kilometern Wasserweg liefert sie Briefe, Pakete und manchmal auch ausgefallene Gegenstände aus.
Alles wird per Kahn transportiert
Hollywoodschaukel, Aluminium-Gewächshaus, Kühlschränke, Gartenhecke, Apfelbaum, XXL-Strandkorb oder Fußballtor – all das hat die 55-Jährige bereits zugestellt. Es ist ihre 15. Saison, und das Staken hat sie abgehärtet. „Den Kahn bewege ich mit reiner Muskelkraft. Ich brauche kein Fitnessstudio“, sagt Bunar. „Muskelkater in den Armen ist in den ersten Wochen nach dem Saisonstart inklusive.“
Wöchentlich über 600 Briefe und 80 Pakete
Pro Woche liefert sie laut Deutscher Post mehr als 600 Briefe und Postkarten sowie rund 80 Pakete aus. Vormittags ist Bunar mit einem Elektrofahrzeug in der Stadt Lübbenau auf Zustelltour. Gegen Mittag belädt sie ihren gelben Kahn mit Briefen und Paketen und setzt ihre Tour auf dem Wasser fort. Manchmal sehe der Kahn aus wie ein „kleines Containerschiff“.
Ruhe und Gelassenheit auf dem Wasser
Sie freue sich, nach der Winterpause wieder auf den Postkahn umzusteigen: „Es ist schön, auf dem Wasser etwas Ruhe und Gelassenheit zu tanken.“ Für die Bewohnerinnen und Bewohner gehöre sie zum festen Bestandteil ihres Alltags – manchmal auch in sorbischer Tracht. Die Zustellung per Spreewaldkahn ist eine postalische Tradition, die es bereits seit 129 Jahren gibt. Davor holten die Einheimischen der Region ihre Post sonntags beim Kirchgang ab. Der Kahn fährt jährlich von April bis Oktober. Im Winter steuert Bunar ein Postauto, muss dann aber lange Strecken über Brücken und zugefrorene Fließe zu Fuß zurücklegen.



