Vierter Todesfall nach Gasunglück in hessischer Lederfabrik: Rettungsversuch endet tödlich
Vierter Toter nach Gasunfall in Lederfabrik in Hessen

Vierter Todesfall nach Gasunglück in hessischer Lederfabrik: Rettungsversuch endet tödlich

Der beschauliche Ort Runkel in Hessen steht unter Schock nach einem tragischen Gasunfall in einer örtlichen Lederfabrik. Laut Polizeiangaben gibt es nun ein viertes Todesopfer zu beklagen. Ein 35-jähriger Mitarbeiter, der bei dem Versuch, seine Kollegen zu retten, schwer verletzt wurde, erlag nun im Krankenhaus seinen Verletzungen. Drei Männer waren bereits am Unglückstag tot aus einer Klärgrube der Gerberei geborgen worden.

Trauer in Runkel: Betrieb nach 200 Jahren Geschichte geschlossen

„Wegen Trauerfall geschlossen“ steht auf der Zufahrt zu der traditionsreichen Lederfabrik, die kurz außerhalb des mittelalterlichen Städtchens Runkel mit seinen 9450 Einwohnern liegt. Chef Michael B. (58) war Gerber, einer der letzten seiner Zunft, und führte einen Betrieb mit 200-jähriger Geschichte. Er sagte einmal stolz: „Ich wüsste nicht, dass es heute in Deutschland noch eine weitere Manufaktur gibt, die sämtliche Sorten von Tierhäuten verarbeitet.“ Zu den Kunden zählten Schäfer, Jäger, Polsterer, Präparatoren und Biker aus ganz Deutschland, Frankreich und Österreich.

Michael B. starb am Donnerstag bei dem Gasunfall in einer Klärgrube, in der Abfallstoffe der Gerberei aufgefangen werden, ebenso wie zwei seiner Mitarbeiter. Ein vierter Verunglückter wurde vor Ort fast 30 Minuten lang reanimiert und in ein Krankenhaus nach Limburg geflogen, doch die Ärzte konnten ihn nicht retten. Zum Gesundheitszustand eines weiteren Schwerverletzten liegen derzeit keine neuen Informationen vor.

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Unglücksort: Stumme Zeugen der Tragödie

Unmittelbar neben dem Gebäude der Gerberei ist ein wenige Quadratmeter großer Bereich mit Absperrband gesichert. Am Boden versperrt ein Metallgitter den Eingang zu einem Schacht, der offenbar zur Klärgrube führt. Daneben liegen zwei lange Leitern – stumme Zeugen der Tragödie. Dort unten sollen Chef Michael B. und seine Arbeiter aufgefunden worden sein.

Vermutlich hat sich aufgrund der in der Gerberei verwendeten Chemikalien Kohlenmonoxid angesammelt. Das toxische Gas ist geruchs- und farblos und dadurch besonders tückisch. Es wird angenommen, dass ein oder mehrere Mitarbeiter das Bewusstsein verloren und andere beim Rettungsversuch verunglückten.

Einsatz der Rettungskräfte und politische Anteilnahme

Um 16.40 Uhr ging am Donnerstag der Notruf ein. Feuerwehrleute in Schutzanzügen holten die Männer aus der Grube und mussten danach selbst dekontaminiert werden. Doch retten konnten sie letztlich nur einen einzigen.

Hunderte Menschen gedachten am Freitag in Runkel der Opfer. Zum Gedenkgottesdienst kam auch der hessische Innenminister Roman Poseck (56, CDU). Die Ermittlungen der Polizei laufen auf Hochtouren, um die genauen Ursachen des Unglücks zu klären. Die Gemeinde trauert um vier Menschenleben, die in einem Betrieb verloren gingen, der über Generationen hinweg das Ortsbild prägte.

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