Studie enthüllt: Angelverhalten in Ost und West zeigt kulturelle Unterschiede
Angelverhalten: Ost und West zeigen kulturelle Unterschiede

Angelstudie enthüllt regionale Unterschiede zwischen Ost und West

Eine aktuelle Untersuchung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei bringt überraschende Erkenntnisse ans Licht: Beim Angeln zeigen sich messbare Unterschiede zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Die Studie analysierte knapp 20.000 Fangaufzeichnungen und offenbart, wie historische und kulturelle Faktoren bis heute das Verhalten an deutschen Gewässern prägen.

Ostdeutsche Angler verwerten Fische häufiger

Die Forscher werteten insgesamt 19.800 Fangaufzeichnungen aus beiden Bundesländern aus und konzentrierten sich dabei speziell auf das freiwillige Freilassen von Fischen, deren Mitnahme gesetzlich eigentlich erlaubt wäre. Das Ergebnis ist eindeutig: Unter identischen Bedingungen entnehmen Anglerinnen und Angler in Mecklenburg-Vorpommern deutlich häufiger Fische als ihre Kollegen in Niedersachsen.

Studienleiter Robert Arlinghaus erklärt diese Diskrepanz mit unterschiedlichen Werten und Normen in West- und Ostdeutschland. „Insbesondere die stärkere Orientierung auf den Eigenbedarf spielt hier eine wichtige Rolle“, so der Wissenschaftler. Frühere Untersuchungen hätten bereits gezeigt, dass diese Einstellung in Ostdeutschland ausgeprägter sei.

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Verschiedene Faktoren beeinflussen die Angelentscheidungen

Arlinghaus weist jedoch auf einen weiteren möglichen Grund hin: „Das Ergebnis könnte auch darauf zurückzuführen sein, dass die Fangbedingungen in den meisten niedersächsischen Gewässern schlechter sind als in den weniger dicht besiedelten und gewässerreichen Gebieten Mecklenburg-Vorpommerns.“ Niedersächsische Angler würden das Zurücksetzen gefangener Fische möglicherweise als notwendige Maßnahme betrachten, um die geringeren Fischbestände trotz hohem Angleraufkommen zu schonen.

Die Studie identifizierte mehrere weitere Einflussfaktoren:

  • Salzwasserfische wie Dorsch, Hering, Lachs und Forelle werden deutlich häufiger behalten als Süßwasserfische
  • Angler in Mecklenburg-Vorpommern nehmen mehr karpfenartige Fische mit nach Hause
  • Ältere und weniger erfolgreiche Angler entnehmen generell mehr Fische
  • Besonders große Hechte und Karpfen werden öfter zurückgesetzt

Kulturelle Traditionen prägen Fischpräferenzen

Ein interessanter Befund betrifft die unterschiedliche Behandlung von Cypriniden – der Familie der karpfenartigen Fische. Während diese in Niedersachsen seltener mitgenommen werden, zeigen MV-Angler eine deutliche Präferenz für diese Fischarten. Arlinghaus erklärt: „Dies deutet auf eine kulturell begründete Vorliebe hin. Insbesondere in Osteuropa hat der Verzehr von Cypriniden eine sehr lange Tradition, die bis heute anhält.“

Ethische Debatte um Catch and Release

Die Praxis des freiwilligen Zurücksetzens, international als „Catch and Release“ bekannt, wird in Angelkreisen kontrovers diskutiert. „Viele Anglerinnen und Angler wägen sorgsam ab, ob sie einen gesetzlich mitnahmefähigen Fisch tatsächlich entnehmen“, sagt Arlinghaus. Die neuen Daten sollen helfen, diese ethische Debatte in den gesellschaftlichen Kontext einzuordnen.

Die Studie betont jedoch, dass das sorgsame Umgehen mit den Fischen entscheidend ist: „Wichtig ist, dass Anglerinnen und Angler mit dem Fisch behutsam umgehen und so die Überlebenswahrscheinlichkeit maximieren.“ Früheren Untersuchungen zufolge überleben bei den meisten Arten 90 bis 100 Prozent der zurückgesetzten Fische – vorausgesetzt, es werden geeignete Geräte und Verfahren eingesetzt, die zu minimalen Verletzungen führen.

Für die Fischbestände hat das gezielte Zurücksetzen großer Fische positive Effekte, da diese Tiere wichtige Laichtiere darstellen. Die Studie zeigt damit nicht nur regionale Unterschiede auf, sondern liefert auch wertvolle Erkenntnisse für nachhaltiges Fischereimanagement.

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