Bahnchefin rechtfertigt Verzögerungen bei Berlin-Hamburg-Sanierung - Pendler frustriert
Die Generalsanierung der zentralen Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg entwickelt sich zu einem echten Desaster für tausende Pendler. Verzögerungen, Vertragsbrüche und ein erodierendes Vertrauen in die Deutsche Bahn prägen die aktuelle Situation. Während die Bahnchefin Evelyn Palla das grundsätzliche Sanierungskonzept verteidigt, müssen Reisende die Konsequenzen täglich ausbaden.
Winterwetter wirft Bauarbeiten aus dem Zeitplan
Die ursprünglich für neun Monate angesetzte Generalsanierung der Bahnstrecke Berlin-Hamburg gerät zunehmend in Verzug. Die für den 30. April geplante Fertigstellung verzögert sich nach Angaben der Deutschen Bahn nun um mehrere Wochen. Als Hauptgrund nennt das Unternehmen wochenlange Kälteperioden mit tief gefrorenem Boden, die die Bauarbeiten zwischen Berlin und Hamburg komplett zum Erliegen brachten. Am 13. März will die Bahn konkrete Informationen zur Dauer der Verzögerung vorlegen.
Ersatzverkehr mit gravierenden Qualitätsproblemen
Parallel zu den Bauverzögerungen eskaliert die Situation im Schienenersatzverkehr. Das von der Bahn beauftragte Unternehmen Ecovista führt einen heftigen Streit mit dem Leasinggeber der Busflotte, der mittlerweile zum Vertragsbruch führte. Die Busse stehen nicht mehr zur Verfügung, und Ecovista muss innerhalb kürzester Zeit eine neue Flotte organisieren – offenbar auf Kosten vereinbarter Qualitätsstandards.
Brandenburgs Verkehrsminister Detlef Tabbert (parteilos) übt scharfe Kritik: „Die Menschen zwischen Hamburg und Berlin werden seit Monaten auf Geduld und Flexibilität eingeschworen – jetzt bekommen sie im Ersatzverkehr aber Busse, die deutlich älter wirken, weniger komfortabel sind und bei denen zentrale Servicefunktionen nicht durchgängig funktionieren.“ Er betont, dass für diese mangelhafte Qualität kein Landesgeld bereitgestellt wurde.
Politische Forderungen und Bahn-Verteidigung
Die Ministerpräsidenten der betroffenen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Hamburg, Schleswig-Holstein und Brandenburg hatten die Bahn per Ultimatum aufgefordert, bereits am 2. März einen konkreten Fahrplan für den weiteren Verlauf der Arbeiten vorzulegen. Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Wolfgang Blanck (parteilos) fordert, „Streitigkeiten zwischen Busunternehmen und Leasinggeber nicht auf dem Rücken der Reisenden und Pendler auszutragen“.
Bahnchefin Evelyn Palla verteidigt hingegen grundsätzlich das Sanierungskonzept: „Viele Jahre lang wurde zu wenig in das Schienennetz investiert“, erklärt sie. „Deswegen können wir jetzt gar nicht anders, als ganze Korridore am Stück zu sanieren, wenn wir in großen Schritten vorankommen wollen.“ Sie plädiert dafür, nicht alles schlechtzureden, bevor die Arbeiten richtig begonnen hätten.
Hintergrund des Sanierungsprogramms
Bund und Deutsche Bahn verfolgen ein ambitioniertes Sanierungsprogramm: Bis 2036 sollen mehr als 40 stark frequentierte und überalterte Streckenabschnitte grundlegend modernisiert werden. Ziel ist die nachhaltige Ertüchtigung des Schienennetzes und die Reduzierung von Verspätungen. Für diese Generalsanierungen werden die betroffenen Strecken in der Regel über mehrere Monate vollständig gesperrt – mit erheblichen Einschränkungen für Reisende, Pendler und Verkehrsunternehmen.
Bemerkenswert ist zudem, dass die Bahn bei der Berlin-Hamburg-Strecke ohnehin nur eine abgespeckte Sanierung durchführt. Das komplexe Europäische Zugbeeinflussungssystem (ETCS) wurde aufgrund seiner technischen Anforderungen erst gar nicht installiert, was langfristig die Kapazitäten und Sicherheitsstandards der Strecke beeinträchtigen könnte.



