Birgit Waniorek als Frau des Jahres 2026 in Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet
Birgit Waniorek: Frau des Jahres 2026 in MV

Vom Urlaub in Athen zur Ehrung in Rostock: Birgit Waniorek als Frau des Jahres 2026 ausgezeichnet

Dieser 6. März 2026 wird Birgit Waniorek so schnell nicht vergessen. Morgens erwachte die 53-Jährige noch als Urlauberin in der griechischen Hauptstadt Athen, abends wurde sie in der Rostocker Hochschule für Musik und Theater als „Frau des Jahres 2026 in Mecklenburg-Vorpommern“ gefeiert. Die überraschende Nachricht von ihrer Auszeichnung erreichte sie während des lange geplanten Städteurlaubs mit ihrem Mann.

Ehrenamtliches Engagement im Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz

„Wir hatten den Urlaub lange geplant, als die Nachricht kam, dass ich auf dem Frauentagsempfang der Landesregierung ausgezeichnet werden sollte“, erklärt Birgit Waniorek das unerwartete Kontrastprogramm. Zunächst wusste sie gar nicht recht, womit sie diese Ehre verdient hatte, entschloss sich dann aber, zwei Tage vor ihrem Mann nach Deutschland zurückzufliegen: „Ich wollte schon dabeisein, schließlich gibt es kaum eine bessere Gelegenheit, all das öffentlich zu platzieren, was mir wichtig ist.“

Justiz- und Gleichstellungsministerin Jacqueline Bernhardt (Die Linke) begründete die Auszeichnung in ihrer Laudatio mit dem umfassenden Engagement der Preisträgerin: „Birgit Waniorek lebt das Ehrenamt. Beim ASB Regionalverband Süd-West-Mecklenburg bildet sie Sanitäterinnen und Sanitäter aus. Vor allem setzt sie sich dafür ein, mehr Frauen für das Ehrenamt und für die Leitungsebene im Rettungsdienst und Katastrophenschutz zu motivieren.“

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Ungewöhnliche Methoden für wichtige Themen

Die examinierte Notfallsanitäterin arbeitet seit neun Jahren beim ASB Süd-West-Mecklenburg als Koordinatorin für das Ehrenamt und bildet Lebensretter aus – Profis für den Rettungsdienst, Ehrenamtler für den Katastrophenfall und Schüler in Erster Hilfe. Ihre Erklärung für das Engagement ist charakteristisch unkonventionell: „Jeder Mensch hat nur einen Po – und der kann nur in einem Auto sitzen, also entweder in der Feuerwehr oder im Rettungswagen.“ Im Ernstfall aber könne es nicht genug Helfer geben.

Besonders kreativ zeigt sich Birgit Waniorek bei der Aufmerksamkeitsgewinnung für ihre Themen. Im September 2024 organisierte sie auf dem Boizenburger Marktplatz einen Weltrekordversuch, bei dem 251 Teilnehmer ganze 50 Stunden lang eine Herz-Lungen-Wiederbelebung an einer Puppe durchführten. Damit stellten sie einen Weltrekord in der Kategorie „Längste Reanimation (Staffel)“ auf. „Mittlerweile gibt es zwar neue Rekordhalter, aber in Boizenburg und Umgebung wissen seither viele Menschen, dass sie keine Angst davor haben müssen, bei einem Herzstillstand Erste Hilfe zu leisten – und das ist doch das eigentlich Wichtige“, betont die 53-Jährige.

Frauenförderung als Herzensanliegen

Ein besonderes Anliegen ist Birgit Waniorek die Förderung von Frauen in Führungspositionen. Dass Frauen in Leitungsfunktionen noch immer in der Minderheit sind, regt sie maßlos auf. Manchmal schickt sie ihren drei erwachsenen Töchtern Fotos mit lauter Männerbeinen und kommentiert: „Schaut mal, wie wir wieder versagt haben, die einzige Frau außer mir in der Runde ist die, die das Protokoll schreibt.“

Schuld daran seien nicht die Frauen selbst, betont Waniorek – sie würden überhaupt nicht in Betracht gezogen, wenn Positionen neu zu besetzen sind. „Wenn ich höre, dass eine Feuerwehr händeringend Führungskräfte sucht, geht mir die Hutschnur hoch, denn da gibt es genug Frauen, die das könnten. Sie haben nur keine Vorbilder, und sie werden immer noch viel zu wenig darauf vorbereitet, dass Führung für sie eine Option ist.“ Das zu ändern, sei eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft, meint die Preisträgerin – aber sie hat es sich auch selbst zur Aufgabe gemacht.

Vielseitiges Engagement über den Rettungsdienst hinaus

Neben ihrer haupt- und ehrenamtlichen Arbeit im Rettungswesen engagiert sich Birgit Waniorek auch für Toleranz, Integration und Naturschutz. Zusammen mit ihrem Mann und der ältesten Tochter unternahm sie nach Kriegsausbruch in der Ukraine Evakuierungsfahrten, übernimmt regelmäßig Dienste in der Psychosozialen Notfallversorgung und absolviert derzeit ein Fernstudium der Gesundheitspädagogik.

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Ein besonderes Hobby verbindet sie sogar mit der Motorkettensäge: Damit gestaltet sie Holzskulpturen und möchte auch andere Frauen für diese ungewöhnliche Kunstform begeistern – geplant ist ein Aktionstag im Sommer nur für Frauen. „Birgit Waniorek hat eine besondere Gabe, Frauen selbst für den Umgang mit technischen Geräten wie Kettensägen zu begeistern“, hob Ministerin Bernhardt in ihrer Laudatio hervor.

Trotz aller Auszeichnungen bleibt Birgit Waniorek bescheiden: „Bei aller Freude ist mir so viel Lob auch ein Stück weit unangenehm. Denn natürlich mache auch ich Fehler, und es ist manches auch nicht so gut gelaufen.“ Doch ihr gesamtes haupt- und ehrenamtliches Engagement zeuge von einer aktiven Demokratin, die für eine gleichberechtigte Gemeinschaft eintrete, so das Fazit der Ministerin.