Ersatzverkehr auf Berlin-Hamburg-Strecke: Ecovista in der Krise
Schwerin/Berlin • Was als größter Schienenersatzverkehr Europas angepriesen wurde, entwickelt sich zunehmend zu einem organisatorischen Albtraum. Das Busunternehmen Ecovista, das von der Deutschen Bahn mit der Durchführung des massiven Ersatzverkehrs auf der vollgesperrten Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg beauftragt wurde, steht vor gewaltigen Herausforderungen.
Leasing-Streit zwingt zu Notlösungen
Nach Informationen des Nordkurier gehören die ursprünglich für den Ersatzverkehr vorgesehenen rund 200 Busse nicht Ecovista selbst, sondern einem Leasing-Unternehmen. Zwischen beiden Parteien ist es offenbar zu einem schwerwiegenden Konflikt gekommen, dessen genaue Ursachen bisher im Dunkeln liegen. Das Ergebnis ist jedoch eindeutig: Ecovista kann die Fahrzeuge des Leasinggebers nicht mehr nutzen und steht plötzlich ohne den Großteil seiner Busflotte da.
In einer bemerkenswerten Aktion musste das Augsburger Unternehmen in den vergangenen Wochen in ganz Deutschland Ersatzbusse zusammensuchen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Nach eigenen Angaben ist dies tatsächlich gelungen – größere Fahrtausfälle blieben am Wochenende aus, die Busse sollen planmäßig verkehrt haben.
Deutsche Bahn übt scharfe Kritik
Doch die Deutsche Bahn zeigt sich alles andere als zufrieden. Der Staatskonzern kritisiert aufs Schärfste, dass die nun eingesetzten Busse die vertraglich festgelegten Qualitätsstandards nicht erfüllen würden. Damit liegt Ecovista nicht nur mit seinem Leasinggeber im Clinch, sondern auch mit seinem mächtigen Auftraggeber.
Die Deutsche Bahn macht keinen Hehl daraus, dass dem Busunternehmen bei Vertragsverletzungen hohe Strafzahlungen drohen. Warum Ecovista dieses Risiko eingeht, bleibt rätselhaft – das Unternehmen verweigert jede Auskunft zu den Hintergründen der Angelegenheit.
Alte Busse und politische Brisanz
In einem Gespräch mit dem Nordkurier räumte Ecovista am Sonntag ein, dass zur Überbrückung auch Busse eingesetzt würden, die älter als zehn Jahre seien. Diese Notlösung wirft Fragen nach Komfort und Sicherheit für die zehntausenden Pendler auf, die täglich auf den Ersatzverkehr angewiesen sind.
Die politische Dimension des Themas ist nicht zu unterschätzen. In Mecklenburg-Vorpommern läuft derzeit der Wahlkampf – und wenn der Ersatzverkehr nicht reibungslos funktioniert, sind zahlreiche Wähler von nervigen Umleitungen und zeitaufwändigen Verzögerungen betroffen. Die Busbranche verfolgt die Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit, denn es gibt nur wenige Unternehmen, die einen derart großen Auftrag überhaupt stemmen könnten.
Ecovista selbst bezeichnet den Ersatzverkehr auf der Berlin-Hamburg-Strecke als den größten, den es bisher in Europa gegeben habe. Doch bei einem solchen Mammutprojekt sind offenbar nicht nur große Summen, sondern auch erhebliche Risiken im Spiel. Wie sich die Situation in den kommenden Tagen entwickeln wird, bleibt spannend – für das Unternehmen, die Deutsche Bahn und vor allem für die betroffenen Reisenden.



