Historisches DDR-Dokument mit Weltstar-Autogramm erzielt 200 Euro
Bei der beliebten ZDF-Trödelshow Bares für Rares sorgte ein außergewöhnliches Stück Zeitgeschichte für Aufsehen. Der Berliner Ronald Vogel (69) bot ein DDR-Ausreisedokument mit einer prominenten Originalunterschrift zum Verkauf an, das schließlich für 200 Euro den Besitzer wechselte.
Persönliche Geschichte hinter dem historischen Papier
Im Gespräch mit Moderator Horst Lichter und Experte Sven Deutschmanek erzählte der ehemalige Schulleiter die bewegende Geschichte hinter dem Dokument. „Identitätsbescheinigung Deutsche Demokratische Republik“ lautet die offizielle Bezeichnung des Papiers, das Vogel im Juli 1988 für seine „einmalige Ausreise zur Übersiedlung nach der BRD“ erhielt.
Die Vorgeschichte ist dabei besonders bewegend: Nach einem Protest vor dem DDR-Komitee für Menschenrechte im Januar 1988 wurde Vogel festgenommen und verbrachte sieben Monate im Stasi-Gefängnis. Direkt aus der Haft erfolgte seine Ausweisung in die Bundesrepublik. „Wenn ich mich daran erinnere, bekomme ich heute noch eine Gänsehaut“, gestand Vogel emotional.
Tina Turners spontanes Autogramm am Frankfurter Flughafen
Das Besondere an dem Dokument ist jedoch nicht nur seine historische Bedeutung, sondern auch eine prominente Unterschrift. Nach vier Wochen im Übergangslager Gießen entdeckte Vogel am Flughafen Frankfurt/Main die weltberühmte Sängerin Tina Turner (1939-2023), die gerade eincheckte.
Spontan sprach er die Musiklegende mit einigen Brocken Englisch an und bat um ein Autogramm – welches sie tatsächlich auf sein Ausreisedokument setzte. Experte Deutschmanek bestätigte später die Echtheit der Unterschrift, was dem Dokument einen einzigartigen Doppelcharakter verleiht: Es ist zugleich historisches Zeugnis der deutschen Teilung und persönliches Andenken an eine Begegnung mit einem Weltstar.
Emotionale Versteigerung im Händlerraum
Bei der Versteigerung zeigte sich zunächst Zurückhaltung unter den Händlern. Während Vogel sich einen Preis zwischen 200 und 300 Euro erhofft hatte, startete nur der bekannte „Waldi“ Walter Lehnertz mit seinen legendären 80 Euro. Händler Julian Schmitz-Avila aus Bad Breisig zeigte jedoch echtes Interesse und erhöhte auf 150 Euro, woraufhin Lehnertz ausstieg.
Schließlich einigten sich Schmitz-Avila und Vogel auf 200 Euro. „Ich bin ein bisschen ehrfürchtig, schönes Objekt, ich freue mich“, kommentierte der Händler seinen Kauf. Auch der Verkäufer zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden, betonte aber, dass es ihm weniger um das Geld als um das Weitergeben der Geschichte ging.
Das Dokument verbindet somit mehrere historische Ebenen: die persönliche Fluchtgeschichte aus der DDR, das System der politischen Verfolgung in der Deutschen Demokratischen Republik und eine zufällige Begegnung mit einer Musikikone während der turbulenten Zeit des Übergangs in ein neues Leben.



